Erstellt am 25. Juni 2012, 00:00

Der Genuss im Freien. SPEISEN AUF DER GRÜNEN WIESE / Das gute alte Picknick kommt wieder in Mode – als inszeniertes Naturerlebnis für gestresste Städter genauso wie für Verliebte, ob sie jung sind oder alt.

Das Picknick auf der grünen Wiese verspricht nicht nur rustikale Freuden, sondern auch kulinarische Qualitäten. MÖRWALD  |  NOEN

VON CHRISTIAN BAYR

Ohne Earl Tupper, Lord Sandwich und Reinhold Burger würden die Picknicks wohl heute noch so beschwerlich sein wie vor dreihundert Jahren. Die Frischhalte-Box, das belegte Brot und die Thermoskanne gehören heute zu den Bestandteilen eines gelungenen Festmahls auf der grünen Wiese. Was einst als willkommene Abwechslung zur muffigen Mietskaserne begann, erlebt heute als ein inszeniertes Naturerlebnis ein Revival.

Die Frage ist, mit wem man  sich denn verabreden will

 

Toni Mörwald, haubengekrönter Multigastronom aus Feuersbrunn, bietet seinen Gästen in und um Grafenegg seit zwanzig Jahren organisierte Picknicks an. „Vor Beginn eines Picknicks sollte man sich fragen, mit wem man sich verabredet. Will man sich mit seiner Liebsten treffen, dann wird man wohl ein verschwiegenes Plätzchen auf der Wiese unter einem Baum wählen. Oder will man sich selbst inszenieren, dann wird man vielleicht ein entsprechendes Picknick auf der Schlosswiese, vielleicht sogar vor einem Sommerkonzert, vorziehen.“

Das kulinarische Angebot  ist äußerst vielfältig

 

Das kulinarische Angebot für den Genuss unter freiem Himmel ist vielfältig. Sandwiches und Salate sind ebenso geeignet wie hart gekochte Eier oder eingelegte Gemüse.

Milchprodukte oder Mayonnaisen sind hingegen – wegen ihrer Wärmeempfindlichkeit – eher nicht zu empfehlen. Außer natürlich, man hat eine Kühltasche zur Hand.

Tartes, Käse, kalter Braten oder Fleischlaibchen eignen sich dafür hervorragend für den Außer-Haus-Verzehr auf der grünen Wiese. Und wer auf seinen grünen Salat nicht verzichten will, der muss allerdings das Dressing in einem eigenen Behälter mitnehmen und erst kurz vor dem Verzehr über die Salatblätter gießen. Wer bei Toni Mörwald einen fertigen Picknickkorb (der ist natürlich ganz wichtig) bestellt, bekommt, wie zu erwarten, Exklusiveres aufs (Walnuss)Brot geschmiert: „Wir bieten selbst gemachten Leberaufstrich oder einen frischen Topfenkäse. Aber auch Schinken mit eingelegten Schwammerln, gebeizter Wildlachs mit Honig-Senfsauce oder Kalbsleber-Pralinen eignen sich hervorragend fürs Picknick.“

Ganz wichtig ist die  richtige Verpackung

 

Wichtig sind auch die richtige Verpackung und die Präsenta tion: „Ich empfehle, die Speisen in kleinen Rex-Gläsern oder in Porzellanschälchen zu transportieren und auch auf richtigen Tellern zu essen, das schmeckt einfach ganz anders. Schließlich isst ja das Auge mit, und die Umwelt wird auch geschont“, gibt sich der Starkoch zeitgeistig. Und natürlich darf eine Flasche heimischen Weins oder Mineralwassers nicht fehlen.

Nicht vergessen darf man selbstverständlich auf eine oder mehrere Decken, im Idealfall isolierte, die Kälte und Nässe abhalten. „Außerdem sollte man auch das Essen auf eine Decke stellen, so bleibt man von ungewünschten Besuchern wie Käfern oder Ameisen verschont.“ Sonnenschutzcreme, ein Sonnenschirm und ein Mückenspray runden die Palette ab.

Und schließlich wird Toni Mörwald noch sehr romantisch: „Man muss sich vorstellen, mitten im Weinberg zu sitzen und zu sehen, dass die Sonne untergeht. Was kann man sich Schöneres wünschen?“