Erstellt am 28. Mai 2012, 20:49

Der Wein auf dem höllischen Stein. Eine einzige Paradelage – der Heiligenstein – prägt das Weinbaugebiet Kamptal, das vor allem auf Grünen Veltliner und einige der weltbesten Rieslinge setzt.

Das Kamptal bietet nicht nur ausgezeichnete Weine, sondern dem Auge auch immer wieder prachtvolle Erlebnisse, wie zum Beispiel dieser Weinkeller im Frühsommer. Eine Landschaft zum Gernhaben.  |  NOEN
VON CHRISTIAN BAYR
 
Wohl kaum ein Weinbaugebiet in Österreich wird derart stark von einer einzigen Lage geprägt wie das Kamptal durch den Heiligenstein: Vor 270 Millionen Jahren aus einer Mischung von Wüstensandstein und Vulkangestein entstanden, wachsen hier heute einige der besten Rieslinge der Welt. Und das, obwohl in dieser Weinbauregion nördlich von Krems eigentlich der Grüne Veltliner dominiert.
 
Ingesamt 3082 Hektar umfasst das Weinbaugebiet Kamptal rund um den Hauptort Langenlois. Zur Donau hin verändern sich die Böden in Richtung Löss und Lehm und bieten damit ideale Voraussetzungen nicht nur für Grüne Veltliner, sondern auch für Burgundersorten wie Weißburgunder oder Chardonnay. Klimatisch pendelt die Region zwischen dem warmen Pannonischen Becken im Osten und dem kühleren Waldviertel im Nordwesten. Der Heiligenstein verdankt seinen Namen übrigens der Hitze, die dort herrscht, das Wort kommt von Hellenstein (also Höllenstein).
 
„Rund um Langenlois liegen unsere Weinberge in einer Kessellage zwischen Manhartsberg, Heiligenstein und Sauberg, was für ein ganz spezielles Kleinklima sorgt“, sagt Karl Steininger, einer der Paradewinzer der Region und Initiator der Weinwelt „Loisium“. Trotz modernster Kellertechnik profitiere man heute noch von den Erfahrungen der Vorfahren: „Die haben schon vor mehr als 300 Jahren gewusst, was die besten Lagen für Veltliner und Riesling sind.“
 
Die Charakteristik des Grünen Veltliners aus dem Kamptal, der mehr als 50 Prozent der Rebflächen einnimmt, beschreibt der Weinexperte so: „Es sind überwiegend klare, feingliedrige Weine, nicht zu fruchtbetont und nicht zu üppig, richtig klassische Veltliner, wie sie heute dem Geschmack des Konsumenten entsprechen. Diese Weine sind keine Blender, die auf den ersten Schluck begeistern, sondern sich dem Genießer meist erst beim zweiten oder dritten Glas richtig erschließen.“
 
In der Fokussierung auf den Grünen Veltliner sieht Steininger kein Problem, ganz im Gegenteil: „Der Grüne Veltliner ist mehr denn je das Flaggschiff im heimischen Weinbau. Wir brauchen keine Exportoffensive mit dem Chardonnay zu starten, den gibt es überall auf der ganzen Welt, den Grünen Veltliner haben nur wir. Heute sind wir selbstbewusst genug, um nicht jedem Trend hinterherlaufen.“

Die klaren Weißweine sind Basis besonderer Sekte
Die klaren Weißweine aus dem Kamptal bieten aber auch die Basis für einige außergewöhnliche Sekte, auf Basis des Grünen Veltliners wie des Rieslings. „Wir müssen aber trotzdem darauf achten, dass die Sortenvielfalt nicht verloren geht. Unsere Böden sind ja auch besonders gut für Burgundersorten geeignet. Und daneben gibt es einen Trend zu Nischenprodukten wie Muskateller oder auch Sauvignon Blanc.“
 
Im Schatten der Leitsorten Grüner Veltliner und Riesling haben es die Rotweine nicht einfach. Steininger: „Mengenmäßig mit rund zehn Prozent am wichtigsten ist er Zweigelt, der eigens für unsere Region gezüchtet wurde. Großes Potenzial hätte der Pinot Noir, es ist allerdings eine sehr schwierige Sorte, die auch beim Konsumenten sehr erklärungsbedürftig ist.“