Erstellt am 10. September 2012, 00:00

Der Zipfel am Gipfel. Erfolgreich / Fleischermeisterin Doris Steiner aus Sollenau hat bei der Wurst-Weltmeisterschaft abgestaubt: Zwölf Goldmedaillen hat ihr Betrieb für Würste, Schinken und Co. eingeheimst.

 |  NOEN
x  |  NOEN
Von Tina Wessig

Tagwache ist um vier Uhr früh. Dann wird der Ofen bestückt, ab halb sechs gibt’s für Kunden die duftende „heiße Theke“: Darin schlummert alles, was man aus Fleisch nur machen kann. Die Lust, ihre Schmankerln immer leckerer zu fertigen, war für Doris Steiner die Triebfeder, die sie schließlich zur Weltmeisterin machte. Ihre Bratwürste, ihr Schinkenlauchstrudel und ihre Preiselbeerblunz’n gehören zu den weltbesten Delikatessen.

„Ich bin mit dem Fleischer-Gen geboren worden“, lacht Steiner. „Schon als Kinder durften mein Bruder und ich in der Herstellung mithelfen, wir waren immer eingebunden.“

Seit der Übernahme des elterlichen Betriebes übt die Fleischermeisterin sich in der Kunst, die delikatesten Knackwürste, deftigsten Schinkenwürste und feinsten Pasteten zu erschaffen. Seit 1998 ging es für sie aber erst richtig um die Wurst: „Da sind wir erstmals bei der Wurst-WM angetreten – und haben die ersten beiden Goldmedaillen gemacht. 2006 erhielten wir Auszeichnungen für unsere Wurstplatten, 2008 gab’s den ersten Ehrenpreis für Convenience-Food.“ Heuer konnte sie von der Wurst-WM respektable zwölf Goldene nach Hause bringen. Stolz ist Steiner allemal auf ihren Erfolg, Ruhe gibt sie deswegen noch lange nicht: „Wir arbeiten gerade an einem neuen Rohschinken, der 18 Monate reifen soll und mit einer besonderen Salz- und Gewürzmischung behandelt wird.“

Die Fleischermeisterin will alles sein, nur kein Fleischhauer: „Der Begriff klingt für mich schrecklich, wir dreschen ja nicht am Fleisch herum!“ Ihr geht es vielmehr um Liebe zum Lebensmittel, um Leidenschaft in der Herstellung und um Genuss am Gaumen.

Der Wert des Lebensmittels steht für Steiner immer im Mittelpunkt: „Wenn Lehrlinge bei uns anfangen, lasse ich sie erst einmal ein paar Deka Schinken am ausgestreckten Arm eine Minute lang halten. Natürlich wird der Arm bald richtig schwer. So zeige ich ihnen, wie schwerwiegend die Arbeit ist, die wir hier tun. So etwas schmeißt man nicht weg“, mahnt Steiner.

Dass bei den Steiners jeder an der richtigen Stelle arbeitet, kann man auch hören: „Wir haben eine Hetz miteinander, lachen viel und haben auch mit dem Team richtig viel Freude an der Arbeit.“ Ausspannen? Muss sie nicht. Hobbys? „Mein Beruf ist mein Hobby“, kommt es ohne Zögern. Ja, räumt sie ein, sie gehe gern Radfahren und Nordic Walken, aber viel lieber besuche sie Kollegen oder suche im Internet nach neuen Ideen. Die werden dann auch optisch umgesetzt: 2009 wurde das Steiner’sche Geschäft am Sollenauer Hauptplatz zum schönsten Fleischerfachgeschäft Österreichs gekürt. Warum? „Weil wir es gestaltet haben wie unser Wohnzimmer!“

Doris Steiners Wurst geht um die Welt.

Schranz