Erstellt am 17. September 2014, 13:22

Diabetiker-Versorgung in Österreich mittelmäßig. Acht Prozent der Österreicher sind zuckerkrank. Doch die Alpenrepublik schneidet beim Management dieses Volksleidens nur mittelmäßig ab.

Das hat der Euro Diabetes Index 2014 ergeben, der am Mittwoch beim Europäischen Diabetes-Kongress in Wien präsentiert wurde. Österreich liegt unter 30 analysierten Staaten nur auf Rang 13, an der Spitze finden sich Schweden und die Niederlande.

Die Vergleichsstudie, zum zweiten Mal nach 2008 von "Health Consumer Powerhouse" mit finanzieller Unterstützung des US-Pharmakonzerns Merck, Sharp und Dohme (MSD) erstellt, soll den Status von Prävention, Diagnose und Behandlung der Zuckerkrankheit anhand 35 erhobenen Indikatoren darstellen. "Health Consumer Powerhouse"-Chef Johan Hjertqvist: "Wir wollen wichtige und verlässliche Daten erheben und präsentieren. Das soll zu Transparenz führen und dazu beitragen, Vorbilder in der Versorgung zum Standard zu machen."

Krankheit wird oft zu spät entdeckt

Diabetes ist eine chronische Erkrankung, im Fall von Typ-2-Diabetes (nicht-insulinabhängier Diabetes) handelt es sich um eine auf der Basis von genetischen Vorbedingungen und Lebensstilfaktoren (falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Übergewicht etc.) langsam entstehende Krankheit, die oft erst entdeckt wird, wenn die ersten Spätschäden schon vorhanden sind.

Die Analysten gruppierten ihre Indikatoren daher in sechs Gruppen und erhoben jeweils den Status in den 30 Staaten: für Prävention, Erstdiagnose, angebotene Betreuung, Zugang zu medizinischer Versorgung, Organisation und Abwicklung der Betreuung der Langzeit-Patienten sowie für die erzielten Behandlungsresultate.

Wie wichtig das ist, belegte die federführende Autorin des Berichts, Beatriz Cebolla: "Weltweit leben 382 Millionen Menschen mit Diabetes. Bei 46 Prozent ist die Krankheit nicht diagnostiziert. In Europa sind es 32 Millionen Diabetiker oder 8,1 Prozent der Bevölkerung. Bei 15 Millionen Betroffenen ist die Krankheit noch nicht diagnostiziert. Jährlich beträgt der Kostenanteil für Diabetes an den Gesundheitsbudgets etwa zehn Prozent."

Österreich im Mittelfeld

Die Resultate sind nicht besonders schmeichelhaft für Österreich. Die Expertin: "Wir sehen drei verschiedene Regionen. In Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Slowenien und den Niederlanden hat man das Problem erkannt und Maßnahmen ergriffen. Im Mittelfeld liegen Staaten wie Spanien, Portugal und Italien." Zu dieser Gruppe gehört Österreich. Schlecht schneiden Länder wie Polen, Ungarn und Griechenland ab.

Mit 936 von 1.000 möglichen Punkten liegt Schweden in dem Ranking an der Spitze, gefolgt von den Niederlanden (922), Dänemark (863), Großbritannien (812), der Schweiz (799) und Slowenien (778). Österreich findet sich mit 706 Punkten - im Umfeld von Staaten wie Italien (713) oder Belgien (700). Deutschland schneidet mit 733 Punkten besser ab. Am Ende der Liste finden sich Bulgarien (473) sowie Litauen (509), Estland (544) und Rumänien (551).

Sieht man sich die Werte für die Indikator-Gruppen an, so fällt auf, dass Österreich keinerlei Angaben über jährliche Blutzucker-Einstellungstests (HbA1c-Werte), Kontrolle der Füße von Diabetikern, jährliche Nierenfunktionstests (Mikroalbuminurie), jährliche Tests von Blutfettwerten und Augenhintergrund-Untersuchungen alle zwei Jahre liefern konnte. Organisation und Abwicklung der Diabetikerbetreuung scheinen weitgehend im Dunklen abzulaufen.

"Keine Daten - keine Heilung"

Allein ist Österreich in dieser Hinsicht nicht: Nur sieben der 30 Staaten betreiben Diabetes-Register, in die regelmäßig die Kenndaten der Patienten eingetragen werden. Damit fehlen die Informationen für eine objektive Analyse der Qualität der Betreuung. Die Daten werden auch europaweit sehr unterschiedlich erhoben. "Es sieht so aus, als würde es in Europa fast keine Screening-Programme für Personengruppen mit einem hohen Risiko für den Ausbruch von Diabetes geben", kritisiert der Bericht rund um das Ranking.

Sandra Brsec Rolih, selbst Diabetikerin und Repräsentantin der Internationalen Diabetes-Stiftung (IDF): "Die Existenz eines nationalen Diabetes-Registers trennt die besten Länder von Rest der Staaten. Keine Daten - keine Heilung."