Erstellt am 03. September 2012, 00:00

Diagnose Prostatakrebs. VORSORGEUNTERSUCHUNG / Prostatakrebs wird lange Zeit oft nicht bemerkt, weil es anfangs keine Beschwerden und keine Schmerzen gibt. Daher kommt die Diagnose oft unerwartet.

VON CHRISTINE HAIDERER

„Die Diagnose war wie ein Hammerschlag. Ich hatte nicht damit gerechnet“, erinnert sich ein Mödlinger. Mit 60 erfuhr er, dass er Prostatakrebs hat. Vor mittlerweile mehr als zehn Jahren.

Damals ging er regelmäßig zur Kontrolle, weil er – wie fast die Hälfte aller Männer ab 50 (laut Krebshilfe) – eine gutartige, vergrößerte Prostata hatte. Irgendwann passten die Werte aber nicht mehr, es folgten Biopsien.

Und er erhielt die Diagnose Prostatakrebs. Der häufigste Krebs bei Männern, wenngleich auch nicht bei jedem gefährlich. Denn zum einen: „Die Sterblichkeit ist rückläufig“, erläutert Primar Eckart Breinl von der Urologie und Andrologie am Landesklinikum St. Pölten. Und zum anderen: „Es gibt verschiedene Aggressivitäten.“ Bei manchen ist der Krebs aggressiv. Bei unter zehn Prozent der Betroffenen sogar besonders heimtückisch, weil er rasch wächst, aber erst sehr spät entdeckt wird. Bei anderen verläuft er langsamer. Bei manchen wird er nie bemerkt. Manche sterben an anderen Ursachen. Bemerkt wird Prostatakrebs übrigens selten aufgrund von Symptomen, da er anfangs keine Beschwerden verursacht. Gibt es hingegen Anzeichen (Probleme beim Wasserlassen …) steckt meist etwas anderes dahinter: „Symptome sind fast ausschließlich von gutartigen Vergrößerungen herrührend“, meint Breinl. Da Anzeichen also meist fehlen, ist der Vorsorge-Check, Tastuntersuchung und Bestimmung des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) beim Urologen besonders wichtig. Einmal im Jahr ab 45, bei erblicher Vorbelastung schon ab 40.

Mehr Lebensqualität und

eine bessere Lebensprognose

Ein Drittel der Betroffenen erhält die Diagnose erst „in einem Stadium, wo man heilend nicht mehr einwirken kann“, so Breinl. Wobei es mittlerweile Therapien gibt, die die Krankheit verlangsamen können.

Bei einem Drittel der Patienten erfolgt die Diagnose hingegen sehr früh. So früh, dass manchmal vorerst abgewartet wird – wenn die Bedingungen sehr günstig sind und der Aggressivitätsgrad sehr niedrig ist. Und die Behandlung erst startet, wenn die Krankheit schlimmer wird.

Und ein Drittel erfährt es zu einem Zeitpunkt, der ideal ist, um gut behandeln zu können. Zum Beispiel mit Strahlentherapie, einer radikalen Prostata-Operation … Wobei hier die Angst vor Inkontinenz und Impotenz groß ist. Breinl: „Die Gefahr besteht immer noch.“ Aber in den letzten Jahren hat sich viel getan. „In NÖ werden pro Jahr rund 400 Operationen durchgeführt. Es ist ein Routineeingriff geworden.“ Die Folge: „Die Kontinenzergebnisse sind um ein Vielfaches besser als noch vor fünf, zehn Jahren. Und auch die Potenzrate.“ Großen Einfluss aufs Ergebnis hat aber auch der Zustand des Patienten. Es macht einen Unterschied, ob jemand 50, noch im Anfangsstadium und ansonsten gesund, oder ob er 70, mehr gemütlich als schlank und Bluthochdruckpatient ist.

Für den Mödlinger hatten Erkrankung und Behandlung zwar eine teilweise Inkontinenz zur Folge. Ansonsten beeinträchtigt sie ihn aber nicht, sagt er. Er kann Tennis spielen, Rad fahren … Apropos: „Wer regelmäßig Sport treibt, kann das Fortschreiten von Prostatakrebs verlangsamen“, verrät www.feelplus.at. Bei einer Hormontherapie ist Bewegung sogar unumgänglich.

Betroffenen rät der Mödlinger aber auch, sich zu informieren – „Wenn man die Krankheit kennt, geht viel an Angst weg.“ Und: Man sollte mehrere Ärzte konsultieren! Das empfiehlt auch Kurt Hiess von der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs. „Wenn eine schwere Krankheit ansteht, sollte man zwei, drei Ärzte kontaktieren.“ Immerhin muss der Patient wichtige Entscheidungen treffen. Dazu kommt die Belastung durch die Diagnose. „Man muss damit fertig werden.“ Aber das schafft man auch, meint Hiess. Unterstützen kann dabei die Selbsthilfe. „Wir sind keine Ärzte, aber wir haben Erfahrung aus der Betroffenheit.“