Erstellt am 09. Mai 2011, 07:47

Die Pubertät. SONJA LEITNER, Psychotherapeutin aus Wr. Neustadt, über die Pubertät als Krise und Chance.

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Eben noch alles ruhig, kurz darauf knallen die Türen, das Kind provozierend, die Eltern überfordert. Kennen Sie das?

Die gute Nachricht: Diese Phase ist ganz wichtig für Ihre Familie. Und zur Erinnerung: Auch Sie waren pubertär. Jeder von uns durchläuft drei Pubertäten. Zwischen zwei bis fünf Jahren, 12 und 16 Jahren und 35 und 45 Jahren. Man sagt: Je heftiger die erste, umso ruhiger die zweite.

Die Pubertät ist nicht automatisch eine Krise! Oft fürchten sich Eltern davor, dass sich Ihre Kinder vom lieben Schatz zum konfrontativen Jugendlichen verwandeln. In dieser Phase haben junge Menschen die Chance, Beziehungen neu zu bestimmen, vieles auszuprobieren, um Grenzen zu erfahren, sich zum Erwachsenen zu verändern. Einige machen das grell, impulsiv, provokativ, andere ziehen sich in ihre „Höhle“ zurück (oft undurchlüftetes, unaufgeräumtes Kinderzimmer). Sie kapseln sich ab und leben in ihren Träumen und Ängsten vor der Zukunft. Beides ist normal. Auch Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung sind normal, da sich neue Gewohnheiten aufbauen, neue Meinungen bilden, das Verhältnis vom Kind zum jungen Erwachsenen verschieben muss.

Denken Sie daran: Pubertierende brauchen Vorbilder und Regeln. Es ist die Aufgabe eines Pubertierenden zu provozieren. Sie sollen sich messen, erfahren, was gut und böse, nett und verletzend ist. Dazu brauchen sie klare Grenzen. Wenn sich die Eltern dieser Aufgabe nicht stellen, dann werden die Pubertierenden verunsichert und suchen weiter nach Grenzen.

Alltag, Schule, Beziehung, Körperpflege – all das kann stark beeinflusst werden. Aber Erziehung ist in dieser Zeit dennoch weiter möglich und wichtig. Und am Ende, wenn Ihr Kind aus der Höhle wieder herauskommt, werden Sie vielleicht staunen, welch eigenständiger, selbstsicherer, fast erwachsener Mensch vor Ihnen steht!

leitner.son@aon.at

Sonja Leitner ist Mitglied des Landesverbands für Psychotherapie (NÖLP), www.psychotherapie.at/noelp