Erstellt am 25. Juli 2011, 07:51

Die scharfe Schwester der Paprika-Schote. CHILI-FESTIVAL / Hadersdorf ist am 30. und 31. Juli Zentrum der Chili-Welt. Immerhin: Scharf essen kommt auch in Österreich immer mehr in Mode. Und erst recht in Niederösterreich.

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VON CHRISTIAN BAYR

Eigentlich sieht sie ja ganz harmlos aus. Ein bisschen länglicher vielleicht als die große Schwester Paprika, meist ebenso grün, gelb oder rot. Den Unterschied merkt man oft erst, wenn es schon zu spät ist: Sie kann nämlich unheimlich scharf sein. Die Rede ist von der Chilischote, der wohl schärfsten Speise- und Gewürzpflanze der Welt. Jetzt ist Erntezeit – und das immer öfter auch in Niederösterreich.

Die Schärfe ergibt sich übrigens aus dem enthaltenen Capsaicin. Das „Gefährliche“ dabei ist, dass die Capsaicinoide, also die Schärfe produzierenden Stoffe, farblos sind und weder beim Kochen noch beim Einfrieren zersetzt werden. Sie sind in Fett und Alkohol, aber nicht in Wasser löslich. Die Schärfe wird in sogenannten Scoville-Einheiten gemessen. Die Skala reicht dabei von 0 (Gemüsepaprika) bis 16 Millionen.

Die Gärtnerei Hick aus Spitz hat vor rund sieben Jahren mit dem Anbau von eigenen Chilipflanzen begonnen. Stefan Hick: „Die Freiland-Chilischoten können jetzt bis zum ersten Frost geerntet werden, im Glashaus sogar noch bis Dezember. Wir verarbeiten die getrockneten Chilischoten anschließend zu Chilipulver“. Chilipflanzen sind übrigens nicht nur in Asien oder der Karibik beheimatet, sondern etwa auch in Sibirien.

Von Chilipflanzen für zu Hause bis Chilisaucen

Bei der Gärtnerei Hick kann man aber auch Chilipflanzen für zu Hause erwerben, einige davon sind bis zu einem Meter hoch: „Die Chilipflanzen haben es gerne warm und trocken, man kann sie natürlich auch im Freien einpflanzen. Im Winter muss man sie allerdings in einem hellen, nicht zu warmen Raum eintopfen und nur spärlich gießen, dann überleben sie durchaus mehrere Jahre“. Chili sei mittlerweile auch in unseren Breitengraden, so Hick, voll im Trend: „Die Leute essen ja auch bei uns mittlerweile gerne scharf. Und scharf ist ja auch sehr gesund. Selbst Menschen, die Probleme mit dem Magen haben, vertragen normalerweise Chilipulver sehr gut, nicht umsonst wird Chili ja auch in der Schmerztherapie eingesetzt“.

Damit der Schmerz beim Umgang mit der Chili-Schärfe nicht zu groß wird, hat Richard Fohringer von Richi’s Chilifarm in Ruprechtshofen ein paar Tipps auf Lager: „Es macht keinen Sinn, nach dem Kontakt mit Capsaicin Unmengen von Wasser zu trinken. Besser geeignet sind Milch, Käse oder Joghurt, aber auch eine Zuckerlösung kann den Schmerz mildern. Brennen auf der Haut kann man durch Einreiben mit Alkohol stoppen. Wenn man es in die Augen bekommt, hilft Auftragen von Speiseöl.“

Stefan Grossauer aus Schönberg am Kamp hat sich eigentlich auf die Herstellung von Pesto spezialisiert, ehe ihn die Liebe zur Chilischote ereilte. Heute bietet er unter dem bezeichnenden Markennamen „Herr Brenner“ auch reinsortige Chilisaucen an: „Bei der Produktion der Saucen müssen wir nicht nur sehr rasch arbeiten, sondern aus reinem Selbstschutz auch für eine gute Durchlüftung der Räume sorgen. Außerdem tragen wir bei der Verarbeitung der Chilischoten dicke Handschuhe“. Wer es wirklich scharf mag, kann sich übrigens im Internet eine Sauce namens „Vicious Vampire“ bestellen, mit 250.000 Scoville-Einheiten, 70 Mal schärfer als Tabasco.

Grossauer organisiert übrigens am 30. und 31. Juli ab 11 Uhr 30 im Esslokal Hadersdorf in Hadersdorf am Kamp ein erstes Chili-Festival, bei dem man nicht nur verschiedenste Chiliprodukte bis hin zur Schokolade verkosten kann, sondern auch Drinks wie mit dem – ebenfalls in Hadersdorf produzierten – Wodka Wanessa. Die Arche Noah aus Schiltern ist ebenso vertreten wie die Ö1-Köchin Colette Prommer.

 www.hick.cc, www.herrbrenner.at,
 www.Chilifarm.at, www.spoerri.at,  www.pepperworldhotshop.de
Gerade hat übrigens auch „Natur im Garten“ ein Kochbuch mit dem Titel „Chili, Paprika und Peperoni“ herausgebracht.  www.naturimgarten. at