Erstellt am 14. Mai 2012, 00:00

Ein gesundes Leben. TRANSPLANTATION / Organempfänger warten mehr als drei Jahre auf eine Niere. Mehr Bewusstsein könnte die Situation verbessern.

VON CHRISTINE HAIDERER

„Ich hab’ mir alles im Leben erfüllt, was ich mir gewünscht habe.“ Johann Fabian aus Waidhofen an der Ybbs ist Vater geworden, er hat eine Firma gegründet – und all das, nachdem ihm 1979 die Nieren versagten. „Ohne Transplantation wäre das nicht möglich gewesen“, sagt er.

Dialyse ist belastend, danach ist man erledigt. Aber: „Ein Transplantierter ist gesund.“ Da ist sogar ein Halbmarathon möglich. „Nach der Transplantation war ich die ersten 20 Jahre keinen einzigen Tag krank“, erzählt Fabian, Obmann-Stellvertreter der Austrian Transplant Sports Federation über die ersten Jahre mit seiner zweiten, transplantierten Niere.

Menschen, die eine Niere brauchen, müssen jedoch sehr lange warten. 41,7 Monate zurzeit. Bis dahin heißt es: Drei Mal in der Woche zur Dialyse. Das ist für viele Arbeitgeber ein Pro-blem. „In dieser Zeit wird der Patient sehr oft aus dem Arbeitsmarkt gedrängt.“ Fabians Vorschlag: „Es müsste einen Teilzeitkrankenstand geben.“ Krankenstand für die Tage, an denen die Dialyse ansteht. An den anderen Tagen wird normal gearbeitet.

Das Warten auf ein Organ (Lunge, Leber, Niere, Herz …) ist aber nicht nur belastend, es kann auch lebensgefährlich werden. Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka: „Auf der europäischen Warteliste sterben täglich 12 Menschen.“

Transplantationsreferenten &  Transplantationsbeauftragte

Wie aber kann man mehr Patienten rascher eine Transplantation und damit ein gesundes Leben ermöglichen? Durch mehr Bewusstsein. Das passiert in NÖ unter anderem durch den Transplantationsreferenten Albert Reiter, Leiter der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Landesklinikum Amstetten. „Ziel ist es, 30 Spender pro Million Einwohner zu haben.“ In den nächsten Jahren, glaubt er, wird man in NÖ dieses Ziel erreichen. In NÖ gibt es auch Transplantationsbeauftragte – zurzeit in den Landeskliniken St. Pölten, Wr. Neustadt, Mistelbach und Amstetten. Sie sehen sich an, wer als Organspender infrage kommt, und kümmern sich um dessen medizinische Betreuung.

Eine Transplantation kann Leben retten. Dennoch ist es eine schwierige Situation, weil dabei am Anfang oft ein Mensch steht, der für hirntot erklärt wurde – dies unterliegt übrigens derart strengen Bestimmungen, dass kein Irrtum möglich ist, betonen Sobotka und Reiter. Zwar gilt in Österreich jeder Mensch als potenzieller Organspender (nur wer sich ins Widerspruchsregister eintragen lässt, wird keiner). Im Krankenhaus wird aber dennoch mit den Angehörigen ein Gespräch gesucht. „Wir informieren die Angehörigen“, erzählt Reiter. „Wenn sie Nein sagen, dann können sie sich darauf verlassen, dass es nicht gemacht wird.“

Das Problem ist aber häufig, dass diese mit der Extremsituation überfordert sind und gar nicht wissen, was der Betroffene gewollt hätte. Daher rät Reiter „zu normalen Zeiten über den Tod und die Problematik zu sprechen“. So kann man Vertrauenspersonen darüber informieren, welche Einstellung man dazu hat. Und sollte man dagegen sein, kann man sich ins Widerspruchsregister eintragen lassen.