Erstellt am 18. Oktober 2013, 09:00

Eine andere Psyche. Rehabilitation / Es gibt viele Unterschiede zwischen Mann und Frau. Zum Beispiel auch, wenn es um psychische Krankheiten geht.

Von Christine Haiderer

Von bipolaren Störungen sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Alkohol ist eher ein Problem der Männer. „Essstörungen sind etwas Frauenspezifisches“, so Anita Rieder, Leiterin des Instituts für Sozialmedizin, bei einem Kongress zu den Unterschieden der Geschlechter bei psychischen Erkrankungen im Lebensresort Ottenschlag. Und auch bei Depression dominieren Frauen. Das sagen die Zahlen.

Depressionsrate bei Männern möglicherweise unterschätzt

Allerdings: „Es gibt Hinweise, dass die Depressionsrate bei Männern unterschätzt wird“, erläutert Henriette Walter von der medizinischen Uni Wien. Unter anderem, weil sie andere Symptome haben. Eher typisch für Männer ist laut Psychotherapeut Gerald Hrdlicka etwa Substanzmissbrauch, Unruhe, Hilfe wird abgelehnt, Kummer wird geleugnet, die Überzeugung, dass andere schuld sind … Frauen hingegen neigen eher zu Stimmungstiefs, Gesprächen mit Freundinnen, Schuldgefühlen …, so Maria Kratochvil, wie Hrdlicka Psychotherapeutin im Lebensresort Ottenschlag.

Dort übrigens gibt es psychiatrische Rehabilitation. Wenn der ärztliche Antrag durch die Sozialversicherung genehmigt wurde. Für Patienten, die schon akut behandelt wurden, und die sich bei ihrem sechswöchigen Aufenthalt nach Strukturen richten können, erläutert Psychiaterin Christiane Handl. Immerhin: „Wir geben sehr viel Strukturen vor“.

„Rehabilitation versucht, alltagsfit zu machen“

Auf dem Programm steht vor allem Psychotherapie, einzeln und in der Gruppe. Aber auch Ergotherapie, ärztliche und physikalische Maßnahmen. Wohlfühlfaktoren, Bewegung und Ernährung spielen eine Rolle. Und: „Kreativtherapie ist eine wichtige Kraftquelle“, so Handl.

Ziel der Rehabilitation ist es, dass der Betroffene wieder arbeiten gehen kann. „Rehabilitation versucht, alltagsfit zu machen“, so Johannes Püspök, ärztlicher Leiter des Lebensresorts, einer der ersten Orte, an denen man auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Behandlung Rücksicht genommen hat.

Anderer Umgang mit psychischer Belastung

Unterschiede gibt es übrigens auch in der Art und Weise, wie Männer und Frauen mit psychischen Belastungen umgehen. Zum Beispiel an dem Punkt, an dem Betroffene das Erlebte bewältigen.

Wie eine Studie von Silke Brigitta Gahleitner von der Donau Uni Krems unter Menschen, die früh sexuellen Missbrauch erlebt haben, zeigt. „Frauen sprechen am Wendepunkt davon, dass sie es in den Griff gekriegt haben. Männer hingegen drücken am Wendepunkt ihre Gefühle aus.“