Erstellt am 30. April 2012, 00:00

Einstiegsdroge „Diät“. BRIGITTE SCHIGL, Psychotherapeutin in Krems, über Essstörungen.

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„Style deinen Traumbody!“, „Neue Schlank-Formel!“, „Kampf gegen Problem- zonen!“ leuchtet es von den Covern der Zeitschriften. Vor allem im Frühling sind wir mit zahlreichen Tipps, dem „Winterspeck“ zu Leibe zu rücken, konfrontiert.

Wir erfahren unter dem Vorwand, dass wir gesünder leben und abnehmen sollen, dass Fett, Zucker und Kohlehydrate zu vermeiden sind. Solche Mahnungen nehmen sich vor allem „Normalgewichtige“ Frauen zu Herzen, denn die Mehrzahl von uns ist mit ihrem Körper unzufrieden. Kein Wunder, vergleicht frau sich mit bis zur Unwirklichkeit geschönten Fotos von Models. Deshalb wollen 80 Prozent aller Frauen dünner sein, als sie sind. Doch nur 15 Prozent sind aus medizinischer Sicht übergewichtig! Denn fest ist in unseren Köpfen verankert, dass dünn gleich glücklich, erfolgreich und begehrenswert ist.

Das treibt Frauen dazu, Diäten zu machen, um sich einer „Bikinifigur“ anzunähern. Im besten Fall ist das Ergebnis gleichbleibend. Viele aber legen nach einer Diät (je radikaler diese war, umso eher) Gewicht zu und versuchen es im nächsten Jahr mit der nächsten Diät oder resignieren – oft die gesündeste Variante! Manche aber finden aus diesem Teufelskreis nicht mehr heraus: Wenn Mama die Frühjahrskur beendet, hält sich die Tochter weiter daran. Anfangs wird sie ob ihrer Konsequenz noch bewundert oder gar beneidet. Allmählich aber folgen Konzentrationsprobleme, Schwindelattacken, dauernde zwanghafte Beschäftigung mit dem Nicht/Essen, permanente Anspannung und sozialer Rückzug. ALLE Frauen mit Essstörungen haben Diäterfahrung und sind durch Ernährungsvorgaben in krankhaftes Essverhalten, wie Anorexie oder Bulimie, gerutscht. Deshalb ist es für Frauen gesünder zu lernen, sich anzunehmen als zu diäten … und wer eine Tochter hat, tut damit nicht nur sich, sondern auch der nächsten Generation Gutes!