Erstellt am 10. Februar 2013, 17:32

Entschädigung nach Komplikationen. Jubiläum / Seit zehn Jahren gibt es Patienten-Entschädigungsfonds. Unter anderem für Patienten mit schwerwiegenden Komplikationen.

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Von Christine Haiderer

Eine lebensbedrohliche Entzündung nach einer Zwölffingerdarmspiegelung. Oder ein durchtrennter Nerv und Gefühllosigkeit in Lippe und Kinn nach einer Operation aufgrund eines eitrigen Zahns.

Auch wenn Ärzte im Krankenhaus alles richtig machen, können selbst Routineeingriffe zu schweren Komplikationen führen. Wäre ein Arzt schuld gewesen, hätte die Haftpflichtversicherung gezahlt. Was aber, wenn niemand Schuld hat?

Für diese Fälle gibt es seit 2001 den Patienten-Entschädigungsfonds. Gesundheitsminister Alois Stöger: „Es sind 56 Millionen Euro in den letzten zehn Jahren ausbezahlt worden.“ „Etwa ein Fünftel davon in Niederösterreich“, schätzt Patientenanwalt Gerald Bachinger. Pro Fall gab es für die Patienten durchschnittlich 8.000 bis 9.000 Euro.

Insgesamt landen österreichweit jedes Jahr etwa Tausend Fälle beim Patienten-Entschädigungsfonds. Bis zu 85 Prozent davon erhalten – nach Empfehlung der Patienten-Entschädigungsfonds-Kommission – eine Entschädigung. Ein Viertel sind Fälle, bei denen es Probleme gibt, die Schuld zu beweisen. Bei den meisten Fällen aber gibt es kein ärztliches Fehlverhalten. Es ist etwas passiert, was man nie sicher vermeiden kann. Mit katastrophalen oder sehr seltenen und schwerwiegenden Folgen. Meist übrigens handelt es sich um Infektionen, Verletzungen an Organen und Blutgefäßen, Probleme mit einem Implantat und Nervenverletzungen.

„Im Vergleich zu früher ist es eine echte Verbesserung für den Patienten“, so Bachinger zum Entschädigungsfonds. Dennoch wünschen sich Österreichs Patientenanwälte weitere Verbesserungen. Zum Beispiel eine Anhebung der Obergrenze bei Entschädigungen (für extrem schwere Folgen). Und auch: Zurzeit wird der Fonds durch einen Teil des Kostenbeitrags der Spitäler finanziert. Daher gibt es nur Entschädigungen nach Behandlungen im Spital, diese soll es aber auch für Folgen im niedergelassenen Bereich geben.

NÖ Patienten-Entschädigungsfonds

Patienten können sich an die Patientenanwaltschaft wenden (Vorsicht: Verjährungsfrist von drei Jahren). Zunächst wird geprüft,

ob eine zivilrechtliche Haftung besteht. Ist das der Fall, kann der Patient versuchen, Geld aus der Haftpflichtversicherung zu bekommen. Ist das aber nicht der Fall, ist man beim Entschädigungsfonds richtig. Vorsicht: Wer schon ein zivilrechtliches Verfahren hinter sich hat, kann danach nicht mehr ein Fall für den Entschädigungsfonds werden.

Bachinger rät daher: „Vorher zum Entschädigungsfonds gehen!“ Auch muss, falls man eine Entschädigung erhalten und danach bei Gericht Geld bekommen hat, die Entschädigung zurückzahlen.

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