Erstellt am 08. August 2011, 07:57

Es wird nicht telefoniert!. MARIA NEUBERGER-SCHMIDT gibt Tipps für einen friedlichen Alltag mit Kindern.

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Thomas, 17, will sich an keine Regeln mehr halten. Insbesondere stört es die Eltern, wenn er vom Tisch aufspringt, wenn das Handy läutet. So gibt es kaum mehr gemeinsame Mahlzeiten noch entspannte Familiengespräche. Die Sätze wie Es wird jetzt gegessen und nicht telefoniert! sind für ihn wie ein rotes Tuch. Wenn sich Eltern autoritär geben, fordert das den jugendlichen Widerspruchsgeist heraus. Thomas bekommt fast nur noch zu hören, wie rücksichtslos und unzuverlässig er sei.

Das labile Selbstwertgefühl eines Jugendlichen, häufig versteckt hinter Überheblichkeit und Sturheit, sollte man nicht durch ständige Kritik weiter ankratzen, sonst wehrt es sich: Und jetzt erst recht &! So berechtigt die elterlichen Anliegen sind, ständige Vorwürfe bewirken das Gegenteil von dem, was sie bezwecken. Du bist&!-Aussagen wirken wie selbst erfüllende Prophezeiungen. Thomas erfüllt die Erwartungen der Eltern und benimmt sich dementsprechend.

Bei Jugendlichen kann man nichts mehr erzwingen. Wir müssen sie ernst nehmen und ihnen Wertschätzung und Konsequenz entgegenbringen. Das tun wir, indem wir Verantwortung übertragen. Die Eltern sollten Verständnis für Thomas Prioritäten zeigen: Dir sind deine Freunde wichtig und uns die gemeinsamen Mahlzeiten ohne Telefonate. Wir stellen während der Mahlzeiten auf lautlos. Glaubst du, du kannst das auch deinen Freunden zumuten? Antwort abwarten, darauf eingehen. Thomas hat die Wahl. Er wird ernst genommen, aber nicht zugedröhnt mit Belehrungen. Erwartet er während der Mahlzeit einen dringenden Anruf, soll er es vorher den Eltern sagen. Um Erziehungsarbeit gut abzuschließen, gilt es vor allem, den Respekt zu fördern. Der ist wichtiger als die Einhaltung zwanghafter Formalitäten.

Mag. Maria Neuberger-Schmidt ist Autorin, Elterntrainerin und Obfrau des Vereins Elternwerkstatt.  www.elternwerkstatt.at

mns@elternwerkstatt.at