Erstellt am 08. August 2011, 07:46

Fast wie im Paradeis. BESONDERER GENUSS / Die Österreicher verspeisen jährlich pro Kopf 26 Kilo des meist roten Gemüses. Dank Anbaus auch in Glashäusern ist ganzjährig eine stets frische Ernte garantiert.

 |  NOEN, Rita Newman ( )
VON CHRISTIAN BAYR

Er ist rot, grün, gelb oder orange, kugelig oder oval, faustgroß oder winzig – und er ist das Lieblingsgemüse des Österreichers. Rund 26 Kilogramm verzehren Herr und Frau Österreicher alljährlich davon, fast doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Die Rede ist vom Paradeiser, einem echten Kind des Hochsommers. Allein das Sortenarchiv der Arche Noah in Schiltern umfasst über sechshundert verschiedene Sorten.
Die Paradeiser kommen ursprünglich aus Südamerika, wo sie von den Azteken unter dem Namen „Tomatl“ angebaut wurden. Columbus brachte sie nach Europa, wo sie erst – aufgrund ihres leicht bitteren Geschmacks – für giftig gehalten und nur als Zierpflanze verwendet wurden.

Paradeiser standen im Ruf, Liebeswahn auszulösen
In Europa bekamen die Paradeiser ursprünglich die Namen Liebes-, Gold- oder eben Paradiesapfel. Bis ins neunzehnte Jahrhundert wurde er nämlich verdächtigt, nach dem Verzehr einen Liebeswahn auszulösen.
Paradeiser entstammen der Familie der Nachtschattengewächse, sind einjährige Pflanzen, besonders frostempfindlich und können bei konventionellem Anbau eine Länge von 15 bis 20 Meter erreichen. Botanisch betrachtet ist die Frucht des Paradeisers eine Beere. Weltweit werden jährlich rund neunzig Millionen Tonnen geerntet. Fast 20 Prozent des heimischen Gemüseverzehrs entfallen auf die Paradeiser, was von der Agrarmarkt Austria (AMA) kürzlich mit dem „Tag des Paradeisers“ gewürdigt wurde.

Jüngst erfreuen sich in Österreich vor allem die Rispenparadeiser großer Beliebtheit: Diese Rispen sind jener grüne Stil, an dem meist fünf oder sechs Paradeiser hängen und die ein Fruchtgewicht von mindestens 75 Gramm aufweisen. Dieser Stil sieht nicht nur dekorativ aus, er hat auch einen praktischen Nutzen: „Durch diese Rispe bekommen die Paradeiser auch nach der Ernte noch zwei bis drei Tage lang Nährstoffe zugeführt. Deshalb wird auch zuerst diese Rispe welk“, sagt Roman Schmid vom Zeiler Gemüsevertrieb in Münchendorf, wo ganzjährig im Glashaus Rispentomaten geerntet werden.
Wie in Münchendorf werden auch in Obersiebenbrunn Ris- penparadeiser im Glashaus gezogen: Die Familien Mayer und Kainz produzieren auf 6 Hektar jährlich 3500 Tonnen der roten Köstlichkeiten, insgesamt sind nicht weniger als 70 Kilometer Stauden ausgepflanzt. Jeder zweite in Österreich verkaufte Rispenparadeiser wird in Obersiebenbrunn geerntet.

Paradeiser halten sich im Haushalt im Normalfall übrigens problemlos eine Woche, sollten allerdings nicht im Kühlschrank gelagert werden, weil sie dort an Geschmack verlieren. Und obwohl sie die Sonne lieben, bekommt ihnen zu viel davon nicht gut: Paradeiser können nämlich einen Sonnenbrand bekommen.
 www.arche-noah.at