Erstellt am 27. Juni 2011, 00:00

Frische Pilze direkt vom Baumstamm. PILZE ZUM GENIESSEN /    Geimpfte Baumstämme sind die     Basis für eine hauseigene Pilzzucht. Aber       man kann Edelpilze aus Niederösterreich                                    auch ganzjährig kaufen.

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VON CHRISTIAN BAYR

Sommerzeit ist Eierschwammerlzeit: Wer jetzt durch die heimischen Wälder streift, der kann mit ein bisschen Glück die wohl beliebtesten heimischen Speisepilze ergattern. Mittlerweile gibt es schon Pilze zum Selbst-Züchten – einige davon leuchten sogar in der Nacht. Und selbst im Winter kann man Pilze made in Niederösterreich genießen.
Wirklich gut schmecken die Eierschwammerl auch nur jetzt – als Konserve oder zum Einfrieren sind sie nämlich nur bedingt geeignet. Kleine Exemplare schmecken meist besser als große, bei der Lagerung sollte man auf Plastikgeschirr verzichten, im Körbchen halten sie sich bis zu einer Woche. Wie bei allen Pilzen ist beim Waschen zu sparen, schmutzige Stellen lieber mit einem Messer wegschneiden.

Speisepilze kann man mittlerweile problemlos selbst züchten – und zwar auf Baumstämmen. Magdalena Wurth vom Waldviertler Pilzgarten in Mistelbach: „Wir schneiden aus Baumstämmen, vor allem Buche oder Eiche, Stücke von rund ein Meter Länge ab. In die werden dann Kerben geschnitten und mit einem Pilzsubstrat geimpft.“
Die kann man dann im Garten aussetzen: „Wichtig ist dabei, dass es sich um ein schattiges und feuchtes Plätzchen handelt. Man braucht diese Stämme dann nur mehr zu gießen und kann im Sommer und Frühherbst eigene Pilze ernten.“ Die Palette reicht vom Shitake bis zum Austernpilz. Die einmal geimpften Baumstämme liefern drei bis fünf Jahre lang frische Pilze, abhängig vom Durchmesser des Stammes: je dicker der Stamm, umso länger die Ernte.

Besonders attraktiv sind die Pilze, die im Dunklen leuchten
Nicht zum Essen, dafür zum Ansehen ist hingegen ein Pilz (Panellus Stipticus), der im Dunklen leuchtet.
„Das funktioniert mit Bio-Luminiszenz, wie bei den Glühwürmchen.“ Diesen Pilz kann man sogar auf Stroh und in Gläsern züchten: „Ich habe ein Glas mit dem Leuchtpilz auf dem Nachtkästchen stehen.“ Der Panellus Stipticus leuchtet bis zu acht Monate lang.

Mittlerweile kann man niederösterreichische Pilze das ganze Jahr über lang ern- tefrisch genießen. In Raasdorf östlich von Wien züchtet die Firma Edlinger drei verschiedene Edelpilze, nämlich den Kräuterseitling, den Edelausternpilz und den Buchenrasling. „Die drei haben sich weltweit in der Zucht am besten bewährt“, so Geschäftsführer Mario Freiberg. Auch die Edelpilze gedeihen am besten auf Holz, im konkreten Fall auf einem behandelten Sägespänegemisch in Plastikflaschen.

„Der eigentliche Pilz, das Mycel, ist jener Teil, der unter der Erde wächst. Das, was wir dann verspeisen, ist der Fruchtkörper. Der Pilz hat am liebsten ein gleichbleibendes Klima, das wir in unseren temperaturgesteuerten Hallen optimal simulieren.“

Der Fruchtkörper selbst gedeiht am besten bei einer Temperatur von 16 bis 18 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent. Mittlerweile werden in Raasdorf monatlich 25 bis 30 Tonnen Edelpilze geerntet. „In der Natur schießen ja auch die Pilze aus dem Boden, wenn es am Vorabend nebelig-feucht war.“

 www.pilzgarten.at
 www.edlingers-pilze.at