Erstellt am 17. Oktober 2011, 00:00

Fritz Zweigelt & der Wein. ZEITGESCHICHTE / Der Erfinder der Rotweinsorte sympathisierte zeitlebens mit dem Dritten Reich. Um Friedrich Zweigelt dreht sich auch eine Doku, die am 23. Oktober im Fernsehen läuft.

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VON CHRISTIAN BAYR

Es ist eine dieser typisch österreichischen Geschichten: Wissenschafter erlangt Weltruhm, kreiert eine (später nach ihm benannte Rebsorte), wird Leiter der berühmten Weinbauschule Klosterneuburg. Eigentlich eine Bilderbuchkarriere, wäre da nicht ein kleiner Haken: Zu verdanken hat er das alles – nicht zuletzt – seiner Sympathie für das Dritte Reich. Jetzt haben die Nachkommen ihre Archive geöffnet – womit die ganze Wahrheit ans Licht geraten ist.

Friedrich Zweigelt – so heißt nämlich der Wissenschafter – wurde 1888 in Hitzendorf bei Graz geboren. 1922 züchtete er an der Weinbauschule in Klosterneuburg nach Hunderten Versuchen eine Kreuzung aus Blau-fränkisch und St. Laurent, ursprünglich „Rotburger“ genannt. Auslöser für die Welle von Neuzüchtungen war die Einschleppung der Reblaus aus Amerika um 1870. Zweigelt kämpfte sein Leben lang gegen die Forcierung der sogenannten „Direktträger“, die in Form des Uhudlers noch heute bei uns ein (Schatten)dasein führen. Mit der Züchtung des Zweigelts gelang ihm nicht nur die Schaffung einer neuen, frostresistenten Traubensorte, sondern auch ein Eintrag in die Geschichtsbücher. Der Zweigelt ist heute Österreichs am weitesten verbreitete Rotweinsorte. 1975 wurde schließlich – auf Betreiben Lenz Mosers – der Rotburger nach seinem Erfinder in Zweigelt umbenannt.

Zweigelt frönte neben seiner Leidenschaft für die Weinreben der Malerei und verfasste Gedichte. Er war viele Jahre Mitglied der Kunst- und Humorvereinigung Schlaraffia und verfügte über einen trockenen Humor. So soll er einmal über das Verhältnis von Wein und Militär in Österreich gesagt haben: „Das Bundesheer lehnt es ab, Weinrationen auszugeben. In Frankreich ist das ganz anders, bei uns werden die Soldaten angehalten, Milch zu trinken.“

Schon vor dem Anschluss 1938 war Zweigelt illegaler Nationalsozialist. 1938 übernahm er – nach der Zwangspensionierung seines Vorgängers – die Leitung der Weinbauschule Klosterneuburg. Über seine Vorliebe zum Dritten Reich macht er kein Geheimnis, einen Schüler der Schule, Josef Bauer, Mitglied der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherren Roman Scholz, ließ er an die Gestapo ausliefern. Nach Kriegsende wurde Zweigelt die Direktorenstelle sowie die 1943 verliehene Dozentur an der Hochschule für Bodenkultur entzogen. Friedrich Zweigelt starb am 18. September 1964 in Graz. Der ORF strahlt am 23. Oktober um 23 Uhr in ORF 2 den Dokumentarfilm „Zweigelt – Wein und Wahrheit“ aus.

Friedrich Zweigelt war der Erfinder der gleichnamigen Rotweinsorte.

LFZ KLOSTERNEUBURG