Erstellt am 30. April 2012, 00:00

Frühstück mit Papa. MARIA NEUBERGER-SCHMIDT gibt Tipps für einen friedlichen Alltag mit Kindern.

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Am Sonntag liest Papa beim Frühstück gerne Zeitung. Klein Hannes, kaum ein Jahr alt, bekommt ein bestrichenes Brot, appetitlich in Stücke geschnitten. Eifrig krabbelt er davon, kommt wieder, will auf Papas Schoß, je nachdem, wie es ihm gerade einfällt, in bester Laune. Wenn Papa ihm die Häppchen nicht nachträgt, dauert das Frühstück endlos. Natürlich auch das Zeitunglesen, weil er ja immer wieder unterbrechen muss. Es ist lustig und mühsam zugleich, für Hannes ein beliebtes Spielchen.

Bei harmlosen Alltagsritualen werden Gewohnheiten geprägt! Weil kleine Kinder so süß sind und liebevolle Eltern gerne auf sie eingehen, geschieht häufig, was und wie das Kind es will. Damit übernimmt es die Steuerung, und die Eltern machen sich vom Kind und seinen Launen abhängig. Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass damit nicht nur der Alltag mühsam wird, sondern dass Entwicklungsstörungen die Folge sind, weil das Kind mit dieser Machtposition überfordert ist.

Eine wichtige Regel: Wir essen nur bei Tisch und nicht nebenbei! Essenszeit ist Zeit für Zuwendung, Zeit für Beziehung. Kann das Kleinkind nicht so lange ruhig sitzen, kann man es ruhig einmal hinunter lassen und einen Blick in die Zeitung werfen. Doch nachtragen darf man ihm nichts! Hannes muss zu Tisch zurückkehren, um die Mahlzeit einzunehmen. Die Eltern bestimmen, wann das „Spiel“ aus ist, nicht das Kind. Ist Hannes satt oder wollen die Eltern das Frühstück beenden, muss dies Hannes kommuniziert werden, indem man ihn lobt, den Mund abwischt, das Kind spielen lässt und in Ruhe seine Zeitung liest oder sich mit seiner Partnerin unterhält. So dauert das Frühstück nicht endlos, das Kind wird satt, erhält Aufmerksamkeit und die Botschaft „Wir nehmen einander ernst“ – beste Voraussetzungen für sein Wohlbefinden, seine Entwicklung und für stressfreie Zeiten.