Erstellt am 18. April 2011, 07:51

Für die Selbsthilfe. FREIWILLIGE / Über 1500 Menschen in NÖ arbeiten ehrenamtlich für Selbsthilfegruppen. Die meisten sind selbst Betroffene.

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VON CHRISTINE HAIDERER

„Mir geht es gut – das möchte ich weitergeben“, erklärt Franz Fink, Obmann des Herzverbands NÖ. Vor 15 Jahren hatte er eine Bypass-Operation. „Mir hat der Herzverband sehr geholfen, selbst etwas zu tun: koronares Turnen, Wandern …“

Franz Fink ist einer von rund 1500 Ehrenamtlichen in der Selbsthilfe in NÖ. Sie arbeiten vier, fünf oder mehr Stunden pro Woche, organisieren Treffen und Vorträge, besuchen – auch das gibt es in manchen Gruppen – Mitglieder im Spital, sind Schriftführer, Kassier oder Gruppenbegleiter.

Ein Gruppenbegleiter der Selbsthilfegruppe für Patienten mit Hirnblutung und deren Angehörige in Horn ist Manfred Beck. Er engagiert sich seit fünf Jahren, weil er selbst betroffen ist und weil er anderen zeigen will, „dass man auch trotz Handicaps etwas machen kann“.

Selbst betroffen zu sein spielt auch für Manuela Messmer-Wullen aus Brunn eine Rolle: „Meine Motivation ist meine eigene Betroffenheit. Ich bin Schlaganfallüberlebende.“ Ziel der Vorsitzenden der Schlaganfall-Selbsthilfe NÖ ist es: „Der Schlaganfall ist nicht präsent im Gegensatz zu Diabetes, Krebs … Mein Bestreben war es, dem Schlaganfall eine Stimme zu geben.“ Dafür kämpft sie seit acht Jahren. Und das mittlerweile auch auf europäischer Ebene als Vorstandsmitglieder zweier europaweiter Vereinigungen.

Der Dachverband bietet Unterstützung

Ein weiterer Vorteil der ehrenamtlichen Tätigkeit: „Die Menschen, die sich engagieren, beziehen viel Selbstwert aus der Arbeit“, betont Renate Gamsjäger vom Dachverband der Selbsthilfe NÖ. Dieser unterstützt die über 320 Selbsthilfegruppen in NÖ, zum Beispiel bei der Gründung neuer Gruppen, der Organisation von Events oder der Suche nach Vortragsthemen. Bei Stammtischen können sich Gruppenbegleiter austauschen und bei Sprechstunden ihre Probleme schildern.

Die Obfrau des Dachverbands, Elfriede Schnabl, ist übrigens auch Betroffene. Vor 20 Jahren diagnostizierte man Brustkrebs. Es folgten mehrere Probleme. Dennoch setzt sie sich dafür ein, nicht in der eigenen Krankheit hängen zu bleiben, sondern aktiv und mobil zu werden. Für sehr wichtig hält sie Gespräche, wie sie in Selbsthilfegruppen möglich sind. „Man will die Familie damit gar nicht belasten. In der Gruppe darf ich sein, wie ich bin.“ Amerikanische Studien zeigten übrigens: „Menschen, die über ihr Krankheitsbild reden, haben eine längere Überlebenschance.“

Wer wissen will, wie es in einer Selbsthilfegruppe zugeht, der kann bei Gesundheitstagen und Messen die neuen Postkarten lesen oder geht einfach einmal zu einem Gruppentreffen.

Selbsthilfegruppen-Verzeichnis: www.selbsthilfenoe.at