Erstellt am 07. Januar 2014, 23:59

von Christine Haiderer

Für kürzere Wartezeiten. Anders als in anderen Bundesländern können in NÖ alle im Internet nachsehen, wie lange sie auf Operationen warten müssen.

Von Christine Haiderer

Geht es nach Gesundheitsminister Alois Stöger, sollen die Wartezeiten für Patienten verkürzt werden. Durch mehr Transparenz und durch Richtwerte für geplante Behandlungen, verrät er im apa-Interview.

Vorreiter in diesem Zusammenhang sind die Niederösterreicher

So hat eine Studie des Instituts für höhere Studien ergeben, dass es zwar in allen Bundesländern Wartelisten für geplante Operationen der Augenheilkunde, Orthopädie und Neurochirurgie gibt. In fast allen haben aber nur Patienten, die schon auf eine Operation warten, darin Einblick. Ausnahme ist Niederösterreich. „Die NÖ Landeskliniken-Holding übernimmt bei der öffentlichen und transparenten Darstellung von Wartezeiten bei Elektivoperationen eine absolute Vorreiterrolle in Österreich“, heißt es in der Studie. Weil sie als einzige Krankenhausbetriebsgesellschaft auf Krankenhausebene diese Daten (Anzahl der Patienten, nach Allgemein- und Sonderklasse, durchschnittliche Wartezeit) in diesen drei Fächern im Internet veröffentlicht. Laut Studienautoren eine wünschenswerte Maßnahme, die maßgeblich zur Transparenzsteigerung beiträgt. Aber auch eine Maßnahme, die die meisten anderen Gesellschaften nicht andenken.

Niederösterreich als gutes Beispiel

Vonseiten des Landesrats Karl Wilfing freut man sich über das Lob und betont das Angebot. „In Niederösterreich sind – ganz transparent für alle – die Wartezeiten auf der Homepage abrufbar. Damit kann jeder Patient überall einsehen, wie lange es für Standard-OPs braucht.“ Für Notfälle ist das natürlich nicht möglich.

Von der Vorgehensweise in NÖ überzeugt ist auch Patientenanwalt Gerald Bachinger: „Das Modell in Niederösterreich ist das Best-Practise-Beispiel für ganz Österreich.“ Warum? Der Patient kann sich ansehen, wie lange die Wartezeiten in den verschiedenen Häusern sind, die diese Operation anbieten, und kann entscheiden, welches Haus er bevorzugt – auch wenn das nicht das näheste ist. Bachinger kann sich gut vorstellen, das Modell auch auf andere Fächer mit vielen Operationen auszuweiten. Wobei es nicht überall möglich sein wird. Sinnvoll wären Wartelisten aus ganz Österreich, damit beispielsweise auch Patienten in Grenznähe auch über die Spitäler im Nachbarbundesland Bescheid wissen.

Fehlenden Kapazitäten als Grund für Wartezeiten

Wartezeiten sind aber nicht nur ein Thema bei geplanten Operationen, sondern auch in den Ambulanzen, bei Untersuchungen und im niedergelassenen Bereich. NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner zufolge liegt der Grund oft in den fehlenden Kapazitäten: „Wir brauchen mehr Personal in den Spitälern, mehr Operations- und Untersuchungskapazitäten.“ Und: „Im niedergelassenen Bereich brauchen wir eine Streichung der limitierten Leistungen.“ Eine solche ist in der Orthopädie etwa – zumindest in NÖ – die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung. In Wien ist es hingegen keine limitierte Leistung. Daher beträgt dort die Wartezeit nur eine Woche, in NÖ hingegen bis zu zwölf Wochen, so Reisner, der abschließend zu den Wartezeiten meint: „Es wird durch die, die die Regeln aufstellen, gesteuert.“