Erstellt am 06. Mai 2014, 15:01

Gähnen kühlt das Hirn. Wiener gähnen im Sommer mehr als im Winter, fanden Forscher der Universität Wien heraus.

Diese Erkenntnis würde eine derzeit in Fachkreisen diskutierte Annahme unterstützen, dass Gähnen hilft, das Gehirn zu kühlen, berichten sie mit Kollegen in der Fachzeitschrift "Physiology and Behavior".

Die Wissenschafter um Jorg Massen vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien rekrutierten für ihr Gähn-Experiment im Sommer des Vorjahres 60 Wiener, und ebenso viele im Winter 2012/13. Sie zeigten ihnen Bilder von gähnenden Personen und fragten sie anschließend, wie oft sie davon angesteckt wurden. Die Versuchspersonen selbst zu beobachten, verkniffen sich die Forscher, denn jene hätten wohl ein Gähnen unterdrückt, wenn sie sich beobachtet fühlten, meinen sie. Die Wissenschafter maßen aber inzwischen jeweils die aktuelle Temperatur.

Mit Temperatur steigt Gähn-Häufigkeit 

Während im Sommer 25 Personen, also über 41 Prozente der Teilnehmer sich beim Gähnen ertappt hatten, waren es im Winter nur 11 (18 Prozente). "Wir fanden heraus, dass die Temperatur maßgeblich mit der Gähn-Häufigkeit zusammenhängt, wobei größere Gähn-Zahlen bei höheren Temperaturen berichtet wurden", schreiben sie in dem Artikel.

Eine frühere Studie kalifornischer Forscher habe gezeigt, dass es den dortigen Bewohnern im Sommer offensichtlich zu heiß zum Gähnen ist, sie tun dies nämlich im Winter öfter. Dann herrschen im Süden der USA nämlich moderate Temperaturen um die 20 Grad Celsius, so wie hierzulande in der warmen Jahreszeit. "Es zeigte sich also, dass es nicht um die Jahreszeit geht, sondern dass ansteckendes Gähnen vielmehr von optimalen Umgebungstemperaturen abhängig ist", so die Wiener Wissenschafter.

"Gähnen als Thermoregulation für das Gehirn kann nicht funktionieren, wenn die Umgebungstemperatur und Körpertemperatur gleich hoch sind", erklärte Massen. Nähert sich die Außentemperatur dem Gefrierpunkt, könne es vielleicht sogar gefährlich sein, zu gähnen.

Dass Gähnen bei Sauerstoffmangel hilft, sei übrigens eine überholte These, so die Forscher. "Untersuchungen konnten einen Zusammenhang zwischen Gähnen und erhöhtem Sauerstoffgehalt im Blut nicht bestätigen", schrieben sie. Hingegen hätten Versuche in Ratten und Menschen gezeigt, dass die Temperatur im Hirn davor steigt und lokal ein Wärmestau entsteht, während unmittelbar nach dem Gähnen die Temperatur wieder abnimmt.

Mit der aktuellen Studie habe man nicht nur zum besseren Verständnis beigetragen, warum man überhaupt gähnt, sondern mögliche praktische Anwendungen seien "die Diagnose und Therapie von Patienten mit Thermo-Regulierungsproblemen", schreiben sie in dem Fachartikel.