Erstellt am 24. Mai 2011, 12:50

Gefährlicher EHEC-Keim: Heuer fünf Fälle mit O157 in Österreich. Infektionen mit einem gefährlichen EHEC-Erreger seien extrem selten, würden aber sehr ernst genommen, sagte Humanmediziner Franz Allerberger von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

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2011 wurden bisher in Österreich fünf Patienten nach einer Infektion mit der aggressiven Unterart O157 behandelt, eine 43-jährige Frau aus der Steiermark starb.

Die Kranken - es handelte sich weiters um zwei Kinder im Vorschulalter und zwei über 70-jährige Personen - litten alle an einer Infektion mit dieser aggressiven Variante des Darmbakteriums Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC). Die fünf Patienten stammten aus vier verschiedenen Bundesländern.

Im vergangenen Jahr wurden laut Allerberger 57 Fälle von klassischer Enterohämorrhagischer Escherichia coli registriert. Elf der überwachungspflichtigen Erkrankungen wurden auf die Serogruppe O157 zurückgeführt, eine der am weitesten verbreiteten Untergruppen.

Auch bei der aktuellen Ausbruchswelle in Deutschland wurde O157 als Ursache ins Spiel gebracht. "Soweit wir wissen, ist der genaue Erregertyp aber noch nicht festgestellt", schränkte Allerberger ein. Auch die Quelle sei noch unbekannt. Es bestehe natürlich der Verdacht, dass Lebensmittel der Auslöser gewesen sind. Alle neuen Erkenntnisse müssen umgehend über das EU-weite Informations- und Warnsystem an die Mitgliedstaaten weitergeleitet werden.

Einigen Schutz bietet der Verzicht auf rohe Milch oder rohes Faschiertes sowie sorgfältiges Waschen von Obst, Gemüse und Salat. Gerade bei Enterohämorrhagischer Escherichia coli reichen allerdings kleinste Keimmengen für eine Übertragung aus. Deshalb kommt es auch zu zehn bis 20 Prozent Sekundärerkrankungen durch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch.

Nach drei bis vier Tagen Inkubationszeit und etwa einer Woche Durchfall klingt die Erkrankung wieder ab. Im Unterschied zu Infektionen mit Salmonellen oder Campylobacter-Bakterien tritt bei zehn bis 20 Prozent der Patienten aber danach ein Nierenversagen auf, erläuterte Allerberger. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist besonders für Kinder im Vorschulalter und ältere Menschen lebensgefährlich.

Einen Ausbruch gab es beispielsweise 2002: Zwei Kinder im gleichen Alter landeten mit Nierenversagen auf Intensivstationen in St. Pölten und Wien. Wie sich herausstellte, hatten die kleinen Patienten in einem österreichischen Kinderhotel Urlaub gemacht - und dort war rohe Milch am Frühstücksbuffet gereicht worden.