Erstellt am 25. Juli 2011, 07:54

Gefahr für Zähne. ENTZÜNDUNG / Die häufigste Ursache für wackelnde Zähne, die rausfallen oder gezogen werden müssen, ist Parodontitis.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Nur 81 Prozent der Österreicher putzen sich zwei Mal am Tag die Zähne. So eine Market-Umfrage im Frühling. Bei dieser gaben außerdem 27 Prozent an, unter Zahnfleischproblemen oder Parodontitis zu leiden.
Parodontitis? Das ist eine Entzündung des Zahnhalte-Apparates. Sie betrifft 75 Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens und ist laut Österreichischer Gesellschaft für Parodontologie für über 50 Prozent des Zahnverlustes verantwortlich. Sie kann das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhen. Und: „Parodontitis in der Schwangerschaft kann Frühgeburten auslösen“, warnt Gerda Fischer, Spezialistin für Parodontologie in Wr. Neustadt.

Ursache dafür ist mangelnde Mundhygiene. Aber auch Rauchen, Stress, ein schlecht eingestellter Diabetes oder eine HIV-Infektion spielen eine Rolle. Und: Betroffene sind oft erblich vorbelastet, so die Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. So kann es passieren, dass manche kaum putzen, aber gesund bleiben, andere aber trotz guter Mundhygiene Parodontitis bekommen.

Von Zahnbelag, Bakterien und Immunsystem

Alles beginnt mit zu wenig sorgfältiger Reinigung. Zahnbelag bildet sich. Bakterien irritieren das Zahnfleisch. Der Belag verkalkt, gefördert durch Speichel. Das Zahnfleisch schwillt an und blutet bei Berührung. Und schon hat man eine Zahnfleischentzündung.
Ist nicht mehr nur das Zahnfleisch entzündet, sondern auch der Zahnhalteapparat, dann ist daraus eine Parodontitis entstanden. Das Zahnfleisch löst sich vom Zahn. Es entstehen Zahnfleischtaschen. In diesen finden Bakterien, die sich im sauerstoffarmen Milieu wohlfühlen, optimale Bedingungen und vermehren sich. Im Kampf gegen sie greift das Immunsystem aber auch Knochen und Haltefasern an. Der Zahn verliert seinen Halt und fällt hinaus. Grund dafür: „Der Körper empfindet den Zahn als Fremdkörper und stößt ihn ab.“

Viele glauben, dass man nichts gegen Parodontitis tun kann, weiß Fischer. Doch das stimmt nicht. Wichtigster Punkt: Alle Bakterien und Beläge müssen verschwinden. Von den Zähnen, Zahnwurzeloberflächen und aus den Zahnfleischtaschen. Dazu rät Fischer, zu einem Parodontologen zu gehen. Denn: „Jemand, der Parodontitis hat, kann selbst bei einer professionellen Mundhygiene nicht ausreichend versorgt werden.“ Da auch die Wurzeln gereinigt werden müssen. Zwar wird die Parodontalbehandlung nicht von den Krankenkassen bezahlt, sie kann aber ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und damit auch chirurgische Eingriffe, die später nötig sein können, etwa um Knochendefekte aufzufüllen.