Erstellt am 18. April 2011, 08:41

Geopferte Zöpfe. OSTERSPEZIALITÄTEN / Warum „Woachfleisch“ nicht weich ist und Hasen Eier legen. Osterpinzen & -striezel sind dieser Tage ein echter Hit.

 |  NOEN
VON CHRISTIAN BAYR
Der Ostersonntag ist nicht nur der höchste kirchliche Feiertag, sondern auch ein Fest für Feinschmecker: Mit Osterlamm und Osterkitz, aber auch mit Ostereiern, Bauernbrot, Landbutter, Kren, Brennnessel- oder Spinatkrapfen. Und natürlich mit den wunderbaren Osterpinzen.
   Einen besonderen Brauch gab es früher im Wechselgebiet: Am Ostersonntag hängte man noch vor Sonnenaufgang das in der Kirche zu weihende Fleisch auf einen hohen Baum im Hausgarten, da man der Meinung war, der „römische Papst weihe mit seinem Segen das Fleisch für die ganze Welt“. Das erste Fleisch am Ostersonntag sollte geweiht sein, Schinken, Teilsames oder Schopfbraten – „Woachfleisch“ (Weihfleisch) wird der Osterschinken deshalb auch genannt.
   Im 19. Jahrhundert kam die Legende vom Eier legenden Hasen auf, der seine Gaben versteckte. Er verschenkte nicht nur bunte Eier, sondern auch Brezeln, geflochtene Striezel und Backwerk in Form von Lämmern, Hähnen, Hasen oder Karpfen. Diese Glück bringenden Gebildebrote erinnerten an die Opfer, die einst dem Sonnengott gebracht wurden – Meister Lampe war das Lieblingstier der Göttin Ostara, die dem Fest den Namen gab.
   Ihr opferte man geschlachtete Tiere, und die Frauen legten ihre abgeschnittenen Zöpfe dazu, um den Sonnengott gnädig zu stimmen. Tiere und Zopf wurden später in Teig nachgebildet.

Feine Osterpinze mit Mandeln
Zutaten für 4 Stück:
25 g frische Germ
2 TL Kristallzucker
150 ml Milch
500 g Mehl (glatt)
80 g Staubzucker
Prise Salz
Schale von 1 Zitrone, abgerieben
100 g zerlassene Butter
1 Ei
3 Dotter
70 g Mandelstifte
Mehl zum Ausarbeiten
1 Ei zum Bestreichen
Hagelzucker zum Bestreuen

Germ zerbröseln, mit Zucker in lauwarmer Milch auflösen. Mehl in Schüssel sieben, Mulde in die Mitte drücken, Dampfl einfüllen, mit etwas Mehl verrühren und zugedeckt an einem warmen Ort etwa 20 Minuten gehen lassen.    Staubzucker, Salz, Zitronenschale, zerlassene Butter, Ei, Dotter, Mandelstifte beifügen und alles mit dem Knethaken der Küchenmaschine etwa zehn Minuten zu glattem Germteig verkneten. Teig zugedeckt am warmen Ort eine Stunde gehen lassen.
Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche in 4 gleich schwere Portionen teilen. Teigstücke zu Kugeln formen und jeweils zwei auf ein mit Backtrennpapier ausgelegtes Blech setzen. Teigkugeln zugedeckt an einem warmen Ort etwa 20 Minuten gehen lassen. Zwei Kugeln mit einer Küchenschere immer von der Mitte aus dreimal „sternförmig“ einschneiden, mit Hagelzucker bestreuen und im vorgeheizten Rohr bei 170 °C etwa 30 Minuten backen. Restliche Pinzen wie beschrieben zubereiten und backen. Auf dem Tortengitter auskühlen.