Erstellt am 16. Mai 2011, 07:49

Gesund arbeiten. APPELL / NÖ Ärztekammer und NÖ Arbeiterkammer fordern mehr Verbesserungen für Gesundheitsberufe in NÖ.

 |  NOEN

VON CHRISTINE HAIDERER

Egal ob Krankenschwester, Beschäftigte in der mobilen Pflege oder Arzt im Krankenhaus – sie alle lieben ihren Beruf. Gleichzeitig leiden aber, und das zeigte die gleiche Studie, auch sehr viele NÖ Gesundheitsberufe unter ihren Arbeitsbedingungen.

Zeitdruck, zu wenig Personal, Bürokratie, Mehrarbeit, Überstunden. Die Dienste sind nicht planbar und damit auch nicht die Freizeit – mit Folgen für Familie und Freunde. Und neben körperlichen Belastungen (Infektionen, heben …) sind viele von Burn-out bedroht.

„Wir haben dringenden Handlungsbedarf“, betont Ronald Gallob, Obmann der Kurie angestellte Ärzte, Ärztekammer für NÖ. Immerhin kann die zunehmende Arbeitsverdichtung, dass zu viel Arbeit in viel zu wenig Zeit erledigt werden muss, auch zu Fehlern führen. Die Beschäftigten können krank, der Beruf unattraktiv werden, Nachwuchsprobleme entstehen. In weiterer Folge leidet die Qualität der Versorgung. Die Ärztekammer für NÖ und die NÖ Arbeiterkammer forderten daher im Frühling 2010 mehr Personal, planbare Arbeitszeiten, berufliche Zukunftsperspektiven, mehr Wertschätzung und eine bessere Gehaltsarchitektur.

Ein Appell und aktuelle Verhandlungen

Ein Jahr später bleiben die Forderungen aufrecht. Zwar hat die Studie laut Brigitte Adler, Vizepräsidentin NÖ Arbeiterkammer, Bewusstsein geschaffen. Die Politik aber hat noch nicht ausreichend reagiert. „Es hat sich nicht viel getan“, so Adler. Daher haben die Interessenvertretungen den „St. Pöltner Appell der Gesundheitsberufe“ beschlossen, in dem sie auch professionelle Personalentwicklung und gesundheitsfördernde Arbeitsplätze fordern und die Bereitschaft äußern, aktiv an der Lösung der Probleme mitzuarbeiten.

Die Arbeitsbedingungen sind aber auch Thema auf Arbeitgeberseite. Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka: „Wir brauchen die geeigneten Rahmenbedingungen.“ Zurzeit verhandelt wird die Novellierung des Spitalsärztegesetzes, und damit eine klare und leistungsgerechte Besoldung, das Recht auf Teilzeit und familien- und betriebsgerechte Arbeitszeiten. Die Novelle 2007 brachte ein höheres Grundgehalt, flexiblere Dienstzeiten, die Förderung der Weiterbildung von Ärzten. Apropos: Unter den 170 Kursthemen des fachübergreifenden Weiterbildungsangebots sind auch Kurse zur Stressprophylaxe.

In den NÖ Pflegeheimen wiederum setzt man auf Arbeitspsychologen und -mediziner, bauliche Maßnahmen und ein neues Dokumentationssystem, um die Arbeit zu erleichtern. Die Aus- und Weiterbildung wird forciert. „Etwa jeder zweite Mitarbeiter nimmt jährlich an einer Schulung teil“, so Landesrätin Barbara Schwarz. Es gibt Pilotprojekte zur Stressbewältigung und zu betrieblicher Gesundheitsförderung. Und bald werden Heime auch danach beurteilt, wie es den Mitarbeitern geht (Balance-Score-Card).