Erstellt am 04. Dezember 2014, 15:01

von APA Red

Über 40 Prozent der Arbeitnehmer Burnout-gefährdet. In Österreich arbeiten mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer in einem Umfeld, das Richtung Burnout geht. Am stärkten betroffen sind Beschäftigte im Großhandel.

Zufrieden sind die Angestellten laut Studie zwar mit den Hard-Facts wie der Ausstattung ihrer Arbeitsstätte und den zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel, schlecht sieht es aber mit den sozialen Umgangsformen in den Betrieben aus.

Für die Studie sind im Sommer 1.000 unselbstständig Erwerbstätige zu 166 Einzelkriterien befragt worden, wie Herbert Kling, der Geschäftsführer des Marktforschers meinungsraum.at, erklärte. 42 Prozent fehlt demnach das Vertrauen in die Unternehmensführung, 48 Prozent bemängelten fehlendes Lob und Anerkennung und 44 Prozent berichteten von widersprüchlichen Anweisungen durch Vorgesetzte. Ungerechte Behandlung durch eine schlechte Fehlerkultur - die sich auf die Suche nach dem Schuldigen beschränkt - und die Angst zu versagen schüren bei 42 Prozent die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Mit dessen Ausstattung sind die meisten zufrieden.

"Wo es menschelt, wird es schwierig"

"Alles, was vom Arbeitsinspekorat kontrolliert werden kann, funktioniert gut. Dort, wo es menschelt, wird es ein bisschen schwierig", erklärte Kling. Er kritisierte, dann die seit Jänner 2103 vom Arbeitgeber verlangte Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz kaum umgesetzt werde. Im Branchenranking geht es den Beschäftigten im Großhandel am schlechtesten, am besten den Finanz- und Versicherungsdienstleistern.

In Österreich betragen die Kosten, die der Wirtschaft, dem Staat und dem Gesundheitsbereich - etwa durch Arbeitsausfälle, Krankenstände, Behandlungskosten und Frühpensionierungen- durch Burnout-Betroffene entstehen, laut WIFO rund sieben Milliarden Euro pro Jahr. Aus anderen Studien geht hervor, dass 30 bis 40 Prozent der Arbeitnehmer innerlich bereits gekündigt haben. 43 Prozent der Beschäftigen im Alter von 35 bis 55 Jahren wurden am liebsten sofort in Pension gehen. Erkrankungen, die auf psychische Belastungen zurückzuführen sind, waren 2013 die dritthäufigste Ursache von Krankenständen.

Einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten für Betroffene und Unternehmen will der Online-Anbieter coachingplanet.com geben, wie dessen Repräsentant Nermin Adzamija bei der Pressekonferenz erklärte. Das Unternehmen ist seit Jänner dieses Jahres auf dem Markt. Es bietet anonym nutzbare Programme für einzelne Betroffene oder Unternehmen.