Erstellt am 02. Dezember 2012, 18:15

Gesundheit zu teuer?. Protest der Ärzte / Die Ärztekammer macht mit einer Plakataktion gegen geplante Gesundheitsreform mobil. Politik ortet Panikmache.

Von Madeleine Kopitschek

Um den Stabilitätspakt einhalten zu können, muss es eine Gesundheitsreform geben. Mit dieser Reform der Finanzierung wollen Bund, Länder und Sozialversicherungen, dass die jährlichen Kostensteigerungen bei Spitalskosten und Ausgaben für die Behandlungen durch niedergelassene Ärzte einen gewissen Prozentsatz nicht überschreiten. 3,4 Milliarden Euro sollen weniger ausgegeben werden.

Mit einer Plakataktion gegen die Einsparung von Ärzten und Spitälern macht die Ärztekammer gegen die Reform mobil. Es gab schon eine Protestversammlung in Wien, und man plant sogar vorübergehende Ordinationsschließungen. Politik und Sozialversicherungen werten die Aktion als bloße Panikmache.

Die Ärzteschaft sieht das aber anders. Christian Eglseer, Internist und Bezirksärztevertreter in Amstetten: „Ehrlich gestanden ist das ein Skandal! Was nämlich die Politik als Kostendämpfung bezeichnet, ist in Wirklichkeit ein richtiges Sparpaket.“

Die NÖN stellte in der Vorwoche dazu ihren Lesern die Frage, ob das Gesundheitssystem noch leistbar sei. Die meisten der Befragten gehen da konform, dass bei den Kosten etwas gemacht werden muss. Sie halten das heimische Gesundheitssystem zwar für gut und gerecht, aber auf Dauer nicht mehr finanzierbar.
Bei der NÖN-Online-Umfrage antworteten 60,8 Prozent der 454 Teilnehmer mit einem Nein auf die Frage, ob das Gesundheitssystem noch leistbar ist.

Unter Niederösterreichs Ärzten lässt die geplante Gesundheitsreform eine Woge der Empörung hochgehen: „Die Reform zielt darauf ab, die Fachärzte in den Niederlassungen zu eliminieren und in die Spitäler zu ziehen“, meint Manfred Eder, Allgemeinmediziner in St. Oswald. Und: „Ich kann einem Krebspatienten, der auf die Leistung der Sozialversicherung angewiesen ist, nicht erklären, dass bei seiner Behandlung gespart werden muss, weil die Wirtschaft in der Krise steckt“, sagt Wolfgang Fuchs, Bezirksärztevertreter in Gmünd.

Die NÖ Gebietskrankenkasse beruhigt allerdings. Norbert Kreillechner, Leiter des Servicecenters in Baden: „Die Gesundheitsreform bringt für Patienten viele Vorteile. Es ist jedenfalls nicht davon auszugehen, dass in Niederösterreich ein Spital oder Ordinationen zugesperrt werden.“ Außerdem arbeite die NÖ Gebietskrankenkasse mit ihren Ärzten in den einzelnen Regionen sehr gut zusammen, so die Reaktion auf die Proteste.