Erstellt am 14. März 2011, 07:55

Gewichtige Jugend. STUDIE / Niederösterreichs Schüler bewegen sich zu wenig. Die Folge: Jeder Fünfte der 9- bis 18-Jährigen ist übergewichtig oder adipös.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Nicht jeder Schüler in NÖ hat ein Problem mit seinem Gewicht, aber einige. Das zeigt die GetFitKid-Studie.
„71 Prozent der Burschen und 77 Prozent der Mädchen sind normalgewichtig“, erklärt die Studienleiterin Andrea Podolsky vom Institut für Präventiv- und angewandte Sportmedizin am Landesklinikum Krems. Allerdings: „22 Prozent der Burschen und 16 Prozent der Mädchen in NÖ sind übergewichtig“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka.
Davon ist ein Teil stark übergewichtig (adipös), bei den Burschen 9 Prozent, bei den Mädchen 7 Prozent. Der höchste Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher findet sich übrigens im Wald- und Weinviertel, der niedrigste in NÖ Mitte und im Industrieviertel.

Folgen für Körper und Psyche

Das Problem: Übergewicht bedeutet nicht nur akut Probleme, es hat auch Folgen für die Zukunft. So haben dicke Kinder zum Beispiel ein doppelt so hohes Risiko, auch als Erwachsener dick zu sein. Die Gefahr für chronische Erkrankungen steigt. Übergewichtige Kinder und Jugendliche leiden häufiger unter Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, eine schlechtere Lungenfunktion, vorzeitigem Wachstum, Fettleber und Gallensteinen … Sie haben weniger Kraft, weniger Ausdauer und weniger Koordination. Sie fühlen sich oft nicht wohl, werden gehänselt, können ein geringes Selbstbewusstsein entwickeln. Und auch der Bewegungsapparat leidet. „Wir haben Fehlformen und Funktionsstörungen gefunden“, so Stefan Nehrer, Dekan der Fakultät für Gesundheit und Medizin an der Donau Uni Krems und ebenfalls Mitglied des GetFitKid-Teams.
Hohlkreuz, instabiles Becken, X-Beine, instabile Fußgewölbe & Co. betreffen übergewichtige Kinder und Jugendliche mehr als normalgewichtige. Die gute Nachricht: „Wir wissen, dass wir durch einfache Bewegungsreize entgegensteuern können“, so Nehrer. Dazu gibt es zahlreiche Übungen. An Sportarten sind bei zu viel Kilos übrigens Radfahren und Schwimmen ratsam. Dabei findet Kräftigung und Ausdauertraining statt, ohne die übliche Belastung durch das Gewicht.

Eine Stunde Bewegung täglich

Generell, so die Forderung der Studie: „Jeden Tag eine Stunde Bewegung für Menschen zwischen 6 und 18 Jahren“, fasst Podolsky zusammen. Aktiv sein können Kinder zum Beispiel in Vereinen. Das sollten sie aber auch zuhause und noch mehr in der Schule. Ganz im Zeichen von Bewegung stehen zudem Projekte wie „Gesunder Kindergarten“, „Gesunde Schule“ oder „Bewegte Klasse“ der Initiative „Gesundes NÖ“. Für übergewichtige Kinder gibt es auch das Programm „Durch Dick und Dünn“ an neun Standorten in NÖ. Infos: www.gesundesnoe.at.

AUSDAUER, KRÄFTIGUNG, KOORDINATION
Kinder und Jugendliche sollten täglich mindestens 60 Minuten aktiv sein, empfiehlt die Österreichische Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention.
Ausdauer. Ausdauerbelastung sollte das meiste davon ausmachen, zumindest mittel anstrengend & an drei Tagen der Woche sehr anstrengend sein.
Kräftigung. Zudem sollten Kinder auch Muskel kräftigende Übungen machen – an mindestens drei Tagen pro Woche.
Geschicklichkeit/Koordination. Außerdem sollten in das Kräftigungsprogramm Übungen eingebaut werden, die auf instabilen Unterlagen erfolgen, etwa auf Schaumstoffmatten. Sie verbessern, wie auch Balancieren und Tempelhüpfen, die Geschicklichkeit.
Knochenfest. Darüber hinaus sollten bei den täglichen 60 Minuten an mindestens drei Tagen knochenstärkende Übungen (Springen, Tanzen, Laufen …) enthalten sein.
 www.sportmedizingesellschaft.at