Erstellt am 20. November 2014, 15:08

von APA/Red

Gratiszahnspange für Kinder ab Juli 2015. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger und die Zahnärztekammer haben sich auf die Gratiszahnspange für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre geeinigt.

Ab Juli 2015 sollen bei erheblichen Zahn- oder Kieferfehlstellungen die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Das wurde am Donnerstag im Hauptverband bestätigt.

Für Kleinkinder wird es in der Regel abnehmbare Zahnspangen geben. Für Kinder über zehn Jahren wird ein festsitzender Zahnersatz bezahlt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auf der fünfteiligen Skala nach der internationalen IOTN-Klassifizierung eine Fehlstellung der Stufen 4 oder 5 vorliegt. Dies festzustellen obliegt dem Kieferorthopäden, es wird dafür kein Bewilligungsverfahren der Krankenkassen über den Chefarzt geben.

Neuer Gesamtvertrag mit Kieferorthopäden

Geschaffen wird dafür ein neuer Gesamtvertrag mit den Kieferorthopäden. Für die Eltern bedeutet dies, dass sie sich an einen der rund 180 Kieferorthopäden oder Zahnärzte mit kieferorthopädischer Ausbildung wenden müssen. Der Hauptverband will damit die Einhaltung von Qualitätskriterien sicherstellen.

Keine Kürzungen wird es bei den jetzt schon gewährten, unterschiedlichen Zuschüssen für Kinder geben, die in die Stufen 1 bis 3 nach der IOTN-Klassifzierung fallen. Derartige Befürchtungen hatten zuletzt die Kieferorthopäden geäußert. Die Regelung muss allerdings noch von den Gremien sowohl bei der Zahnärztekammer als auch im Hauptverband bestätigt und von den einzelnen Trägern dann umgesetzt werden.

Die Gratiszahnspangen für Kinder und Jugendliche sollen insgesamt rund 80 Millionen Euro jährlich kosten. Das Modell sei so gestaltet, dass sich dieser schon vom früheren Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) genannte Betrag "ausgehen sollte", erklärte der stv. Hauptverbands-Generaldirektor Bernhard Wurzer. Der Hauptverband rechnet damit, dass jährlich rund 22.500 Kinder eine Gratiszahnspange bekommen werden. 80 Prozent davon sollen von Vertrags-Kieferorthopäden angepasst werden, die restlichen 20 Prozent von Ambulatorien der Sozialversicherungen oder anderen Vertragspartnern.

"Meilenstein der österreichischen Gesundheitspolitik"

Die Einschränkung auf 180 Kieferorthopäden oder Zahnärzte mit kieferorthopädischer Ausbildung in ganz Österreich begründete Wurzer damit, dass man auf die Einhaltung von Qualitätskriterien großen Wert lege. Nach drei Jahren sei aber eine Evaluierung vorgesehen, dann werde man entscheiden, ob die 180 Kieferorthopäden ausreichen oder die Zahl der Stellen ausgeweitet werde. Die Tarife für die Kieferorthopäden seien "in Summe flexibel" gestaltet.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) jubelte über einen "Meilenstein der österreichischen Gesundheitspolitik". Ab 1. Juli 2015 würden damit Tausende Familien entlastet. Wurzer lobte als Chefverhandler des Hauptverbandes ausdrücklich die "sehr konstruktiven und partnerschaftlichen Verhandlungen" mit der Zahnärztekammer.