Erstellt am 01. September 2013, 17:19

Gut erreichbare Hausärzte. Modell / In Böheimkirchen gibt es seit zehn Jahren eine Praxis- gemeinschaft, die 60 Stunden in der Woche für die Bevölkerung da ist.

 |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
Von Christine Haiderer

Jeden Tag kommen 200 bis 300 Patienten ins Gesundheitshaus Böheimkirchen. Wegen Rückenschmerzen, Verletzungen, Bluthochdruck … Es gibt 150 Anrufe und 150 ärztliche Gespräche und Behandlungen. Und: Jeden Tag – von Montag bis Freitag – ist von 7 bis 19 Uhr geöffnet.

Einzigartiges Modell in Niederösterreich

Äußerst lange Öffnungszeiten für Patienten, während die Ärzte gleichzeitig familientaugliche Arbeitszeiten haben – „Es hat sich hier ein Modell entwickelt, das in Niederösterreich ziemlich einzigartig ist“, ist René Chahrour überzeugt. Er hat vor zehn Jahren mit Christoph Powondra die Kassenordinationen zusammengelegt. Mittlerweile umfasst die Praxisgemeinschaft sechs Ärzte und fünf Assistentinnen. Gearbeitet wird auf Basis des Modells „erweiterte Stellvertretung“. Das Problem: „Unsere Kolleginnen schweben im luftleeren Raum. Da ist keine Rechtssicherheit“, so Chahrour. „Wir wollen unsere Ordination in eine Gruppenpraxis umwandeln, haben uns aber noch nicht entschließen können“, meint Powondra. Warum? Weil das 3,5 Prozent Abschläge bedeuten würde. Abschläge, die auf der Annahme basieren, dass zwei oder mehr Ärzte ja nur eine EDV brauchen, nur einmal Miete zahlen usw. Und damit nicht so viel Geld brauchen wie ein einzelner Arzt. Doch besagt laut Thomas Holzgruber, Kammeramtsdirektor der Wiener Ärztekammer, eine Studie, dass das Einsparungspotenzial nur vorhanden ist, wenn 30 Stunden in der Woche – wie in vielen Gruppenpraxen – offen sind. Wenn es 40 Stunden sind, kippt die Rechnung bereits ins Minus, weil Personalkosten usw. steigen. Holzgruber: „Wir haben in Wien keine Abschläge. Wir haben die gleiche Honorierung für Einzel- und Gruppenpraxen.“

Nachzügler in Europa in Bezug auf die Stärkung der Primärversorgung

„So ein Modell ist selten“, sagt auch Petra Paretta von der Gesundheit Österreich Gmbh, wo man auf der Suche nach solchen Modellen ist. Schließlich: „Wir sind bei den Nachzüglern in Europa in Bezug auf die Stärkung der Primärversorgung.“ Und Landesrat Maurice Androsch meint: „Ich glaube, es zeigt einen guten Weg vor, wie es gehen kann.“