Erstellt am 18. Oktober 2012, 13:26

Hausärzte fordern freiwillige Anwendung von ELGA. Der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV) fordert Nachverhandlungen am Regierungsentwurf für die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) was die Freiwilligkeit betrifft. Der Präsident der Wiener Landesgruppe, Wolfgang Werner, verlangte ein sogenanntes Opting-In für Ärzte und Patienten zu schaffen. Der jetzige Entwurf, der automatisch den Arzt dazu verpflichten würde ELGA zu nutzen, sei "unzumutbar".

Laut Gesetzesvorlage können Hausärzte freiwillig in die ELGA-Datensammlung hineinschauen. Wenn sie das nicht tun, könnten sie allerdings belangt werden. Der Präsident forderte: "Wir wollen ELGA nutzen können, wenn wir es wollen - aber ohne haftbar zu werden, wenn wir es nicht wollen." Dies sei nur durch eine freiwillige Opting-In-Variante möglich. Demnach müssten Arzt und Patient aktiv ihre Zustimmung abgeben, ELGA anzuwenden.

Im jetzigen Entwurf bestehe aber lediglich eine Opting-Out-Variante für Patienten. Diese sieht Werner als bedenklich an: "Wenn der Patient aus ELGA aussteigen will, dann muss er persönlich zu einer Ombudsstelle gehen und dort seine Gründe vorbringen. Wenn er dann draußen ist, bleiben seine Daten aber trotzdem gespeichert. Sie sind dann nur nicht mehr für ihn abrufbar", unterstrich der Präsident. Eine "echte Freiwilligkeit" ELGA zu verwenden, bestehe demnach nicht.

Zudem würde die Anwendung von ELGA neben einem hohen Kostenaufwand von etwa einer Milliarde Euro - auch einen enormen Zeitaufwand verursachen. Bei jedem Patienten müsste die Befundsammlung von einigen Jahren durchstöbert werden.

Als problematisch sah Werner auch das derzeit mögliche "Verdecken von Gesundheitsdaten" durch den Patienten an: "Es bringt gar nichts, wenn ein behandelnder Arzt einen jahrelang zurückliegenden Befund einer Lungenentzündung aufstöbert, aber keine Information über eine HIV-Infektion des Patienten erhält, weil er diese nicht vermerkt haben will", stellte Werner fest.

Auf der anderen Seite würde ausgerechnet eines der meist angeführten Argumente für ELGA keine Berücksichtigung mehr im jetzigen Entwurf finden: "Eine Datenbank über Wechselwirkungen von Medikamenten wurde rausverhandelt", kritisierte der Präsident.