Erstellt am 30. Juli 2012, 00:00

Hepatitis C oft heilbar. WELT-HEPATITIS-TAG /  Rund 80.000 bis 90.000 Menschen in Österreich sind von Hepatitis C betroffen. Eine neue Therapie bietet gute Chancen.

»Ich bin sehr zufrieden und fühle mich fit und wohl«, sagt Amalia Gschwindl, die vor etwa 30 Jahren mit Hepatitis C infiziert wurde, bei der das Virus aber mittlerweile nicht mehr nachweisbar ist. Im Bild mit ihrem behandelnden Arzt, Peter Ferenci von der Uni-Klinik für Innere Medizin III der Medizinischen Uni Wien.  |  NOEN, FOTO: FOTODIENST/ANNA RAUCHENBERGER

VON CHRISTINE HAIDERER

„Das Wichtigste ist, sich zu informieren und die neuen Therapieangebote anzunehmen“, rät Amalia Gschwindl aus dem Weinviertel.

Wann sie mit Hepatitis C infiziert wurde, weiß sie nicht genau. „Ich habe anlässlich der Geburten meiner Kinder 1976 und 1981 Bluttransfusionen bekommen und mich höchstwahrscheinlich dabei mit Hepatitis C angesteckt“, glaubt sie. Übertragen werden kann Hepatitis C übrigens über Transfusionen von Blut oder Blutprodukten. Eine Übertragungsart, die seit Anfang der 90er-Jahre dank routinemäßiger Tests aber äußert selten geworden ist. Im Gegensatz zur Ansteckung über das gemeinsame Verwenden von Nadeln bei Drogenkonsum. „Nahezu keine Infektionsgefahr besteht bei Geschlechtsverkehr sowie bei Schwangerschaft von infizierten Frauen auf ungeborene Kinder“, beruhigt Peter Ferenci von der Uni-Klinik für Innere Medizin III der Medizinischen Uni Wien.

Die Krankheit bleibt oft sehr lange unbemerkt
Dass sie erkrankt ist, hat die Weinviertlerin erst viele Jahre nach ihren Bluttransfusionen, Ende der 90er-Jahre, erfahren. Grund dafür: „Meistens verläuft die Infektion völlig beschwerdefrei und wird zufällig entdeckt“, so Ferenci, der auch Amalia Gschwindl behandelt hat. „Sei es bei Gesunden- oder Arbeitseinstellungsuntersuchungen, Operationsvorbereitungen, Blut- oder Plasmaspenden.“ Wie bei Gschwindl, die Blut spenden war und danach ein Schreiben erhielt, dass sie infiziert sei. Das Problem damals: „Es gab keine Behandlung gegen Hepatitis C, daher wurde ich nur jedes Jahr zur Blutkontrolle geschickt“, erinnert sie sich. Doch das änderte sich letztes Jahr. „Im Mai 2011 habe ich erfahren, dass es eine neue Therapie gibt.“

Eine Therapie, die funktionierte. Nebenwirkungen und Probleme hatte sie nur wenige, anfangs leichte Müdigkeit und auch Mundtrockenheit, Haarausfall. „Ich habe gut auf die Behandlung angesprochen, meine Blutwerte wurden bei jeder der monatlichen Kontrollen konstant besser.“ Und: „Nach etwa einem halben Jahr wurde mir dann mitgeteilt, dass das Virus nicht mehr nachweisbar ist“, freut sich Gschwindl. Ihr Rat an andere: „Die Medikamente genau nach Vorschrift einnehmen!“
 


 

Typische Symptome einer akuten Hepatitis C sind Gelbsucht, allgemeine Schwachheit und Müdigkeit, Gelenksschmerzen sowie dunkler Harn. Es gibt aber auch Patienten, die keine Beschwerden haben.
Unbehandelt kann sie zu chronischer Leberentzündung, Leberzirrhose oder Leberkrebs führen.
 
Neue Behandlung: Verbesserte Heilungschancen sieht man in der Kombination aus der Standardtherapie (pegyliertes Interferon und Ribavirin) mit einem neuen Medikament aus der Wirkstoffklasse der Proteaseinhibitoren (diese hemmen Enzyme). Auf diese Art ist eine Steigerung der Ausheilungschance bei Betroffenen des Virus-Genotyps 1, der häufigsten Untergruppe in westlichen Ländern, möglich. Von früher 40 bis 50 Prozent auf 70 Prozent bei bisher unbehandelten beziehungsweise auf 85 Prozent bei jenen, die über die Dauer ihrer bisherigen Behandlung virusfrei wurden. Patienten, bei denen die bisherige Therapie nicht half, könnten Chancen von bis zu 40 Prozent haben.
 
Unterstützung, Info und arbeitsrechtliche sowie psychosoziale Betreuung bietet die Patientenorganisation Hepatitis Hilfe Österreich - Plattform Gesunde Leber an. www.gesundeleber.at