Erstellt am 26. September 2011, 00:00

Herbst für Genießer. SÜDTIROL / Im Passeiertal ist jetzt die Zeit des „Törggelens“: Gäste und Einheimische verkosten den jungen Wein mit Speck und Kastanien – und die Gastwirte laden wieder zur „Bauernkuchl“.

Beim traditionellen „Törgellen“ in Südtirol wird der „Nuie“ – der junge Wein – verkostet. Würziger Speck ist einer der Klassiker, die dazu in Buschenschänken und Weinhöfen gereicht werden.ART/PETR BLAHA  |  NOEN

Wenn die Welt in den buntesten Herbstfarben leuchtet, ist im Passeiertal Wander- und Schlemmerzeit. Und es ist die Zeit des „Törggelens“, eines alten Südtiroler Brauchs.

Der Begriff geht auf das lateinische „torquere“ (drehen) zurück, was hier so viel bedeutet wie Wein pressen mit der „Torggl“, der mächtigen Traubenpresse. Anfänglich diente das „Törggelen“ lediglich dem Erfahrungsaustausch unter den Weinbauern. Schon bald aber wurde daraus ein fröhliches Miteinander, zu dem auch Nachbarn, Verwandte und Freunde eingeladen wurden, um den jungen Wein – den „Nuien“– zu verkosten.

Heute versteht man unter „Törggelen“ ein geselliges Beisammensein in Buschenschänken, Stuben und Weinhöfen, wobei neben dem „Nuien“ auch der süße Most („Siaßer“), geröstete Kastanien („Keschtn“), Fleischplatten mit Sauerkraut, Knödel, Geselchtes, Speck, Kaminwurzen, Schüttelbrot und süße Krapfen zu einer typischen „Törggele“- Mahlzeit gehören.

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Kenner verbinden das „Törggelen“ mit der einen oder anderen Wanderung. Denn dank der angenehmen Temperaturen im Herbst kann sogar bis Ende Oktober noch so mancher Gipfel erklommen werden.

Die Einkehr lohnt sich auch bei den Wirten des Hinterpasseier: Bei der „Bauernkuchl“ verwöhnen sie ihre Gäste mit herzhafter Hausmannskost und allerlei süßen Versuchungen. Wild-Freunde kommen dabei voll auf ihre Kosten, auf der Speisekarte stehen aber auch Tiroler Gröstl, Knödel, Hammelfleisch („Schepsernes“) oder Schlutzkrapfen.

Eine Sünde wert sind die typischen Psairer Süßspeisen: Echte Feinschmecker verzichten keinesfalls auf den „Schwarzplentenen Riibl“ (eine Rahmspeise aus Buchweizen), die „Psairer Krapfen“ oder das „Houlerpfandl“. Diesem köstlichen Mus mit Holundersaft oder Holunderbeeren konnte bis jetzt noch kaum ein Besucher widerstehen …