Erstellt am 23. April 2012, 00:00

Herzinfarkt. zusammen. Um Patienten rund um die Uhr helfen zu können.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Ein Druckgefühl über dem Herzen, Schmerzen, die in den Oberarm, den Bauch ausstrahlen, Atemnot  – „Herzschmerzen bedeuten eine Akutsituation“. Tauchen derartige Symptome auf, sollte man sich nicht Zeit lassen. Johann Pidlich (ärztlicher Direktor vom Landesklinikum Baden-Mödling): „Herzschmerzen bedeuten: Ins nächste Krankenhaus! Zum nächsten Arzt!“

Denn bei einem Herzinfarkt muss alles schnell gehen, der Verschluss im Gefäß rasch geöffnet werden. Innerhalb von 120 Minuten vom ersten Kontakt mit dem Notarzt bis zur Öffnung des verengten Gefäßes besagen internationale Empfehlungen, verraten Franz Xaver Roithinger (Vorstand der Abteilung Innere Medizin am Landesklinikum Thermenregion Mödling) und Karl Silberbauer (ärztlicher Direktor vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt). Im Süden Niederösterreichs und im benachbarten Burgenland, sind beide überzeugt, ist das selbst in entlegenen Gegenden möglich.

Rund um die Uhr, auch am  Wochenende & an Feiertagen

Grund dafür ist die Kooperation zwischen den Krankenhäusern Wr. Neustadt, Mödling und Eisenstadt, die alle ein Herzkatheterlabor haben. Dabei hat eines der drei in Sachen Herzinfarkt immer Bereitschaft.

„In enger Zusammenarbeit mit 144 Notruf NÖ und der Landessicherheitszentrale Burgenland sichern wir damit die optimale Gesundheitsversorgung über Bundeslandgrenzen hinweg und garantieren, im Falle eines akuten Herzinfarktes, eine Behandlung mittels Herzkatheter binnen 90 Minuten“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka. Bei einer Herzkatheteruntersuchung wird ein Katheter über Ader beziehungsweise Vene im Unterarm oder Leiste bis zum Herz geführt. Um herauszufinden, ob ein Gefäß verstopft ist, wird eine Koronarangiografie gemacht. Übrigens: „Erste Angiografie-Untersuchungen fanden im Landesklinikum Wiener Neustadt bereits 1986 statt“, verrät der ärztliche Direktor Paul Christian Hajek.

Die verengte Stelle  finden & behandeln

„Die Koronarangiografie ist die Darstellung der Herzkranzgefäße mittels Kon-trastmittel“, erläutert Leo Marosi, Vorstand der II. Internen Abteilung am Landesklinikum Wiener Neustadt. Damit kann man herausfinden, ob die Gefäße verengt sind, ob ein Stent (Gefäßstütze) oder eine Bypass-Operation (die verstopfte Stelle wird durch eine Brücke umgangen) notwendig ist und ob der Patient einen Herzinfarkt hat. Apropos Verengung. Zu einem Herzinfarkt kann es kommen, wenn sich im Gefäß Ablagerungen bilden, diese einreißen und von Blut umspült werden und sich dadurch ein Blutgerinnsel bildet. Hat man die verstopfte Stelle gefunden, kommt ein Draht zum Einsatz. Über diesen kann ein Ballon vor Ort gebracht werden, der die betroffene Stelle vordehnt. Damit das Gefäß an dieser Stelle offen bleibt, kann dann ein Stent (der übrigens auch mittels Ballon aufgebaut wird), eingesetzt werden. Das Gitter des Stents wächst sich im Laufe der Zeit in die Umgebung ein.

Nicht immer sah die Herzinfarktversorgung schon so aus wie heute. „Anfang der 1970er-Jahre lag die Hospitalsterblichkeit an akutem Myokardinfarkt österreichweit bei 30 Prozent“, erzählt Silberbauer. Dann entstanden Herzüberwachungsstationen, und die Sterblichkeit sank auf 20 Prozent. Später rückte das Ziel, das Gerinnsel aufzulösen, ins Zentrum. Und die Sterblichkeitsrate von Herzinfarkt in Krankenhäusern konnte auf 10 bis 15 Prozent reduziert werden.

Mittlerweile jedoch ist man im „magischen Dreieck“, wie Silberbauer die Region der drei kooperierenden Spitäler nennt, bei 4 bis 5 Prozent. Zum einen, weil durch die drei Häuser eine rasche Versorgung möglich ist. Zum anderen durch die mechanische Therapie. Weil durch die Angiografie das Gefäß schneller geöffnet werden kann als durch Thrombolyse (die Öffnung des verstopften Gefäßes mittels Medikamente) – wie es früher üblich war.

Insgesamt wurden in den drei Häusern seit Start der Kooperation 18.000 Untersuchungen durchgeführt.

Seit zehn Jahren gibt es in Wiener Neustadt die akute Herzinfarktversorgung, seit fünf Jahren wird mit Mödling und Eisenstadt kooperiert. Ein Erfolgsmodell, sind sich Paul Christian Hajek, Thomas Brunner, Leo

Marosi und Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka einig.

FRANZ BALDAUF