Erstellt am 10. Oktober 2011, 08:15

Ideen für den Tag in der Schule. SCHULISCHE TAGESBETREUUNG / Wenn Kinder vor- und nachmittags in der Schule sind, wird dort Gesundheit immer wichtiger.

VON CHRISTINE HAIDERER

Immer mehr Kinder bleiben auch noch nachmittags in der Schule. „Der Bedarf steigt“, sagt Franz Schaupmann, Obmann des NÖ Landesverbands der Elternvereine. „Jetzt ist es wichtig, dass wir die Tagesbetreuung mit den richtigen Themen füllen“, so Schaupmann.
Ein Thema ist Gesundheit. Dazu zählt zum Beispiel die Luftqualität in den Klassen (Lüften), aber auch ausreichend Platz für die Betreuung. Schulärztin Hermine Salomon-Müller: „Es braucht einen Ruheraum, einen Lernraum, einen Raum für kranke Kinder.“ In der Schule gibt es übrigens nicht nur akut erkrankte Kinder, sondern auch chronisch kranke. Gerade bei ihnen kann die Mittagsverpflegung schwierig werden. Etwa wenn nur einheitlich gekocht wird und man kein auf chronische Krankheiten, Allergien, religiöse Vorschriften usw. abgestimmtes Essen von Zuhause mitnehmen kann. „In manchen Schulen muss man, wenn man Nachmittagsbetreuung bucht, das Essen mitbuchen“, so Salomon-Müller.

Ein ordentliches Mittagessen ist auch Landesrätin Barbara Schwarz wichtig, die betont, dass es gute Kooperationen zwischen Schulen und Wirtshäusern gibt. Wichtig ist ihr aber vor allem eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern. Immerhin würde es etwa keinen Sinn machen, wenn es in der Schule eine gesunde Jause gibt, zu Hause aber Mikrowellen-Kost. Und Schwarz lehnt Verbote ab: „Kinder dürfen auch hemmungslos naschen, aber sie müssen gelernt haben, dass es eine Ausnahmesituation ist.“

Gegen Verbote ist auch Angelika Rutard, Geschäftsführerin von Weight Watchers Österreich. Ihrer Ansicht nach darf man auch Schokolade oder einen Hamburger essen, nur eben nicht beides am selben Tag. „Ausgewogene und gesunde Ernährung kann kinderleicht sein“, sagt sie, zum Beispiel mit den acht leicht umsetzbaren Regeln von Weight Watchers.
Auch Ernährungswissenschafterin Aline Cosulich ist gegen Verbote, weil die Gefahr besteht, dass Kinder sich an Verbote gewöhnen, sich später selbst viele Verbote auferlegen und schnell in eine Störung kippen. Daher sind ihr Vorbilder wichtig, wie auch Genuss, Ausprobieren und Spaß am Essen.
Die Bedeutung von Vorbildern und Spaß am gesunden Lebensstil betont auch St. Pölten-Gemeinderat Andreas Fiala. „Wenn der Spaßfaktor nicht rechtzeitig den Kindern beigebracht wird, dann könnte es zu spät sein.“

Mehr Bewegung in die Schulräume
Spaß haben kann man auch bei Bewegung. Eine Stunde täglich wird Kindern übrigens empfohlen. Wobei, so Heidi Manseder, Sportreferentin der Sportunion NÖ, „Schulsport alleine reicht meist nicht“. Es gibt zu wenig Turnstunden. Bewegung könnte aber ein wesentlicher Bestandteil der Nachmittagsbetreuung sein. Experten könnten Sport leben, Lust auf Vereinssport machen usw. Wie es etwa auch das NÖ Modell der Bewegungsexperten vorsieht. Von diesen gibt es aber nur fünf in NÖ, kritisiert Manseder.

Mehr Bewegung integrieren konnte man an der NMS Guntramsdorf. „Wir haben eine Morgeneingangsphase geschaffen“, freut sich Direktorin Christa Friedl, dank geblockter 45-Minuten-Einheiten. In dieser können Lehrer mit den Kindern frühstücken, reden und sich bewegen. Viele halten das für den „Schlüssel, dass die Kinder ruhiger in den Unterricht gehen“. Und es gibt zwei 15-Minuten-Pausen. Und: „Wir versuchen mit Sportvereinen zusammenzuarbeiten.“