Erstellt am 17. Januar 2011, 00:00

Kampf den Keimen. STATIONÄR / Infektionen zu verhindern und einzudämmen ist das Ziel von Hygieneteams in den NÖ Krankenhäusern.

 |  NOEN

VON CHRISTINE HAIDERER

EU-Gesundheitskommissar John Dalli zufolge steht es nicht gut um die Versorgung der Patienten in Europa. Jede zehnte Behandlung im Spital ist fehlerhaft, lässt sich auf Welt online nachlesen.

Doch, Vorsicht: „Diese zehn Prozent sind nur ein Durchschnittswert“, erklärt NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger. In manchen Ländern gibt es mehr Probleme, in manchen – wie etwa in Österreich oder Frankreich – weniger. Hier sind es etwa 6 bis 7 Prozent. Auch, dass Klagen bei Behandlungsfehlern erleichtert werden sollten, sieht Bachinger für Österreich anders: „Man muss den außergerichtlichen Weg verstärken.“ Immerhin bedeutet ein Prozess auch eine große Belastung für den Patienten. Und was den Umgang mit Behandlungsfehlern betrifft, meint er mit Verweis auf Projekte in den NÖ Landeskliniken zur Patientensicherheit: „Niederösterreich ist auf einem guten Weg.“

Hygieneteams, Arbeitsgruppe und Maßnahmen in NÖ

Was die Hygiene angeht, stecken sich Dalli zufolge jedes Jahr 4,1 Millionen Patienten in Europa mit Krankenhauskeimen an, 37.000 sterben daran. Aber auch hier gibt es Unterschiede. In Österreich wird sehr viel für gute Hygiene getan, meint Christoph Aspöck, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie am Landesklinikum St. Pölten. Doch selbst gute Hygienebedingungen können nicht alles: „Der größere Teil dieser so genannten Spitalsinfektionen ist nicht vermeidbar“, so Aspöck. Beispiel: Dank moderner Medizin überleben auch Patienten, deren Immunsystem sehr angegriffen ist, die eine belastende Operation hinter sich haben und dadurch besonders anfällig für Infektionen sind. So kann ein Patient eine Harnwegsinfektion bekommen, ausgelöst durch einen Keim, den er in sich trägt, und der ihm gesund nie etwas gemacht hätte. Die kleinere Gruppe an Krankenhausinfektionen kann man aber vermeiden. Und genau das ist die Aufgabe der Hygieneteams in den Krankenhäusern. Sie geben Empfehlungen ab und beobachten, ob die Maßnahmen wirken. Sie beschäftigen sich mit der Isolierung von infektiösen Patienten, der Aufbereitung von Medizinprodukten (Skalpell, Endoskop …), dem Einsatz von Desinfektionsmitteln etwa für Flächen und damit, dass die Hände der Spitalsmitarbeiter ein wesentlicher Faktor bei der Übertragung sind. Und in der Arbeitsgruppe Krankenhaus Hygiene besprechen sie regelmäßig aktuelle Themen.

Noroviren nicht in Spitäler einschleppen!

Anders als Spitalskeime, die für gesunde Menschen harmlos sind, gibt es aber auch Erreger, die alle Menschen betreffen. „Noroviren sind jedes Jahr um diese Zeit ein Problem – innerhalb und außerhalb der Spitäler.“ Weil sie sehr infektiös sind. „Typisch ist ein schwallartiges Erbrechen.“ So kann es vorkommen, dass jemand eine Stelle berührt, wo zuvor noch Erbrochenes weggewischt wurde, und schon wird man krank. Im Spital werden Betroffene sofort isoliert. Zuhause ist die Ansteckungsgefahr aber genauso hoch. Ein Mittel zum Desinfizieren der Hände kann helfen. Wer sich angesteckt hat, sollte nicht arbeiten gehen und auf keinen Fall jemandem im Krankenhaus besuchen und an den zwei, drei unangenehmen Tagen viel trinken.