Erstellt am 21. Februar 2011, 07:48

Kampf der Sucht. DROGEN & CO. / Der neue NÖ Suchtplan umfasst alle Formen der Sucht.

Raucher haben laut einer neuen Studie ein höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken.  |  NOEN, dpa
VON CHRISTINE HAIDERER

Sucht betrifft mehr als nur die illegalen Drogen. In Niederösterreich leben bis zu 5000 Menschen, die von illegalen Suchtmitteln abhängig sind, aber über 64.000, die mit Alkohol ein Pro-blem haben, und rund 164.000, die von Nikotin abhängig sind.
„Alleine diese Zahlen zeigen, dass der Schwerpunkt hier liegen muss“, erläutert Michael Musalek, Leiter des Anton Proksch Instituts in Wien, den Grund, warum Alkohol & Nikotin ein Schwerpunkt im neuen „NÖ Suchtplan 2011-2015“ sind. Dieser wurde übrigens im Dezember von der Landesregierung beschlossen und legt die Entwicklung der Suchtarbeit in NÖ fest.
Neben Alkohol, Nikotin und weiteren so genannten stoffgebundenen Suchtmitteln, gibt es – und das gar nicht selten – aber auch stoffungebundene Suchtmittel, wie Internetsucht oder Spielsucht: „Wir schätzen, dass sechs Prozent der Bevölkerung ein Problem mit Spielsucht hat“, erläutert Suchtkoordinatorin Ursula Hörhan von der Fachstelle für Suchtvorbeugung. Und so haben auch diese Suchtformen Eingang in den neuen Suchtplan gefunden: „Mit dem Suchtplan NÖ haben wir erstmals einen Suchtplan erstellt, der umfassend ist, und alle Suchtformen abdeckt“, freut sich Jugendlandesrat Johann Heuras.

Mehr Angebote und Angebote für spezielle Zielgruppen
Nach dem flächendeckenden Ausbau der Suchtberatungsstellen in NÖ und der Erhöhung der Bettenkapazität in der neuen Drogenentzugsstation in Amstetten-Mauer sollen in Zukunft auch die Programme zur Förderung der Lebenskompetenzen ausgebaut werden, neue Therapieangebote für Kinder und Jugendliche entstehen und vorhandene Maßnahmen werden speziell an bestimmte Personengruppen wie etwa Schwangere oder Menschen mit Migrationshintergrund angepasst.

Ein Augenmerk auf soziale Integration
Dabei steht die gesamte Suchtarbeit mittlerweile auf vier anstatt bisher drei Säulen. Neben Prävention, Beratung & Therapie gibt es nun auch Qualitätssicherung & Dokumentation und soziale Integration. Wobei bei Letzterem eine Inklusion gemeint ist. Also eine Integration, bei der die Individualität des Betroffenen in der Gesellschaft anerkannt wird und keine Anpassung/Angleichung an die Gesellschaft erfolgen muss. „Suchtkranke sollen ein Recht haben, an der Gesellschaft teilzuhaben“, ist NÖ Suchtkoordinatorin Hörhan überzeugt.

Darüber hinaus bedeutet suchtkrank zu sein nicht, an jedem Tag des Jahres davon beeinträchtigt zu sein. Immerhin: „Eine Suchterkrankung hat man ein Leben lang, aber man kann über weite Strecken symptomfrei bleiben – wenn man behandelt wird“, erklärt Musalek. Und so können Betroffene arbeiten gehen, spezielle Freizeitangebote nutzen …
Wesentlich ist aber, dass man langfristig behandelt wird, so wie bei jeder anderen chronischen Erkrankung (zum Beispiel wie Bluthochdruck) auch. „Wenn er regelmäßig behandelt wird, hat er eine 80-prozentige Chance abstinent zu sein.“
 Beratung: www.suchtvorbeugung.at
 Hotline für Angehörige: 0650/3907730