Erstellt am 24. Oktober 2011, 00:00

Kinderpsychiatrie auf Kassekosten. AB 2012 / NÖ ist das erste Bundesland, in dem es niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiatrie auf „e-card“ geben wird.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Ess- und Entwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Psychosen, Ängste, Depressionen – auch Kinder können psychische Probleme haben. Allein in NÖ sind es etwa 30.000 Kinder und Jugendliche die eine kinderpsychiatrische Behandlung benötigen, schätzt Kinder- und Jugendpsychiaterin Sabine Fiala-Preinsberger.

Für betroffene Kinder gab es früher nur zwei Möglichkeiten: eine stationäre Behandlung im Krankenhaus (laut Fiala-Preinsberger zwar intensiv, aber nicht sehr lange) oder der für manche Eltern nicht finanzierbare Besuch eines Wahlarztes.

Seit fünf Jahren ist das anders. Damals startete in NÖ ein Pilotprojekt. Über 1000 Kinder wurden seitdem von den Kinder- und Jugendpsychiaterinnen Charlotte Hartl und Sabine Fiala-Preinsberger in Purkersdorf und Mödling diagnostiziert und nach einem individuellen Therapieplan behandelt. Mit Erfolg: Der Gesundheitszustand der Kinder hat sich verbessert, ihre Leistung in Kindergarten und Schule verbessert.

Mit 1. Jänner 2012 geht das Projekt in den Regelbetrieb über. In NÖ sollen zu den zwei bestehenden drei weitere Planstellen kommen: eine im Raum St. Pölten, eine im Raum Wr. Neustadt und eine im Norden NÖs. So wird es – wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen – fünf diesbezügliche Ärzte in NÖ geben. Das bedeutet: „Niederösterreich ist nun das erste Bundesland, in dem eine flächendeckende Versorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf Kassekosten möglich ist“, freut sich Gerhard Hutter, Obmann der NÖ Gebietskrankenkasse.

Niederösterreich  als Vorreiter

Gesundheitsminister Alois Stöger dazu: „Niederösterreich spielt eine Vorreiterrolle.“ Und: „Das ist ein großer Schritt für mehr Kindergesundheit in Österreich.“ Und auch Harald Schlögel, Kurienobmann-Stellvertreter der niedergelassenen Ärzte, meint: „Die fünf Stellen sind ein vernünftiges Maß zu beginnen.“

Die Flächendeckung ist auch für Jan Pazourek, Generaldirektor der NÖ Gebietskrankenkasse, wesentlich und aus seiner Sicht einer von fünf Punkten, die dieses Versorgungsmodell so besonders machen. Wie auch der Umstand, dass die Fachärzte einen Gesamtblick auf die Behandlung haben. Wenn andere Therapien nötig sind, können sie diese zielgerichtet koordinieren. Ebenso wichtig ist, dass die Behandlung niedergelassen stattfindet (das Kind also nicht aus der Schule rausgenommen werden muss), dass das vereinbarte Tarifmodell den Ärzten ermöglicht, je nach Phase der Erkrankung zu behandeln. Und die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten und Experten (bei Diagnose und Behandlung), mit Eltern und Schule.