Erstellt am 26. September 2011, 00:00

Kooperation als Basis. WINFRID JANISCH, Psychotherapeut in Mödling, über Finanzkrise und Gehirnforschung.

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Die Finanzkrise lässt uns anstehen und zwingt uns umzudenken. Das gewohnte Prinzip – nur eine Wirtschaft, die ständig wächst, ist eine gute – hat ausgedient. Wir erkennen immer deutlicher: Unendliches Wachstum führt in den sicheren Tod jedes Systems. Ein Symbol dafür ist das Karzinom, eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Bei Krebs führt ungehemmtes Wachstum bestimmter Körperzellen zur Vernichtung des gesamten Organismus.

Derzeit werden wir Zeugen und Opfer einer Entwicklung, wo ungehemmtes Wachstum in der Finanzwelt unsere realen Wirtschaftsgrundlagen zerstört. Das ist der späteste Zeitpunkt, an dem wir neue Wirtschaftsmodelle entwickeln müssen, die nicht mehr auf Konkurrenz, sondern auf dem Prinzip von Kooperation basieren. Die Gehirnforschung liefert uns dazu Grundlagen. Hat sie doch nachgewiesen, dass Menschen von Natur aus kooperative Wesen sind, deren innere Motivationssysteme dann anspringen, wenn sie mit anderen in einen guten Kontakt kommen. Nicht Konsum macht glücklich, sondern Kontakt, und zwar solcher, bei dem wir uns angenommen fühlen. Menschen in Konkurrenzsituationen sind nach der Neurobiologie nicht im Glücks-, sondern im Stressmodus. Glücklich sind sie erst und nur sehr kurz, wenn sie gesiegt haben und Anerkennung bekommen. Um dann gleich wieder von der Angst um die eigene Position gepeinigt zu werden, denn es gibt ja so viele Konkurrenten.

In gelingenden Beziehungen sind wir neurobiologisch im optimalen Zustand, motiviert, leistungsfähig und kreativ. Nehmen wir uns also den Bauplan des Menschen, der bis in jede einzelne seiner Zellen ein auf Kooperation ausgelegtes Wesen ist, als Grundlage für ein neues Wirtschaftsmodell, bei dem kooperative Nutzung begrenzter Ressourcen zu mehr Lebensqualität aller Beteiligten führt.