Erstellt am 02. April 2012, 00:00

Kopfschmerzen. manchen Krebsarten und Metastasen vorbeugen könnte.

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VON CHRISTINE HAIDERER

Aspirin – genauer die darin enthaltene Acetyl-Salicylsäure – hilft bei Entzündungen, Schmerzen und Fieber, davor einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden – und in Zukunft vielleicht dabei, Krebs und Metastasen vorzubeugen.

An der Uni Oxford nahm das Team rund um Peter Rothwell verschiedene Studien zu Aspirin genauer unter die Lupe – in Hinblick auf Krebs. Ein Ergebnis: Täglich eingenommenes, niedrig dosiertes Aspirin kann Krebsneuerkrankungen vorbeugen. Das Risiko an Krebs zu sterben sinkt dadurch insbesondere bei Darmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs, Galle und Brustkrebs. Außerdem reduziert Aspirin das Risiko von tödlichen Adenokarzinomen (Karzinome des drüsenbildenden Gewebes) mit Metastasenund das Risiko von entfernten Metastasen bei Patienten, die noch keine haben. Vor allem bei Darmkrebs. Folglich könnte Aspirin als zusätzliche Behandlung von manchen Krebsarten helfen, glauben die Studienautoren. Darüber hinaus zeigte sich, dass Aspirin Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko vermindert und die Gefahr von schweren Blutungen durch Aspirin sinkt, wenn man es anhaltend einnimmt.

Vorteile versus  Nebenwirkungen

So gut die Ergebnisse auf den ersten Blick auch klingen mögen, noch ist Vorsicht geboten. „Die tägliche Einnahme von Aspirin scheint Krebs, insbesondere Dickdarmkrebs, vorbeugen zu können“, meint Bernd Kerschner von „Medizin-Transparent.at”, einem Online-Service des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau-Uni Krems. Allerdings: „Es könnte gut sein, dass die Nebenwirkungen den geringen Vorteil überwiegen.“

Geringer Vorteil deswegen, weil die Studie zwar zeigt, dass die tägliche Einnahme von Aspirin das Risiko an Krebs zu sterben verringert, das jedoch nur sehr wenig. „In der Aspiringruppe starben insgesamt 1,6 Prozent an Krebs, in der Vergleichsgruppe 1,9 Prozent.“ Und: „Es müssten 334 Personen täglich Aspirin einnehmen, damit eine Person weniger an Krebs stirbt.“ Darüber hinaus setzen die positiven Effekte erst nach frühestens drei Jahren ein.

Ebenfalls zu bedenken ist laut Kerschner, dass die klinischen Studien, die in die Meta-Analyse mit einbezogen wurden, nicht darauf ausgelegt waren, „eine Reduktion des Krebsrisikos zu untersuchen, sondern nur das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Daher könnte es sein, dass manche Krebs-relevanten Informationen in den Studien nicht erfasst worden sind.“

Zudem wurden zwei sehr große Langzeitstudien zu Aspirin gar nicht in den Untersuchungen der Oxforder Forscher berücksichtigt. Bei diesen wurde Aspirin nur jeden zweiten Tag eingenommen. „Nach zehn bis zwölf Jahren zeigte sich weder ein reduziertes Risiko für Dickdarmkrebs noch eine insgesamt geringere Krebsrate oder Krebssterblichkeit.“

Zu den Nebenwirkungen: Wenngleich schwere innere Blutungen auch selten sind, so ist das Risiko dafür zumindest in den ersten drei Jahren doch erhöht. Auch sind Magenentzündungen und andere Folgen möglich. Deshalb warnen Experten des NHS, des britischen nationalen Gesundheits-Services davor, ohne ärztliche Verordnung auf eigene Faust Aspirin zur Vorbeugung von Krebs einzusetzen.

In Zukunft aber könnte sich das vielleicht ändern. Aspirin-Hersteller Bayer zumindest forscht bereits auf dem Gebiet der Krebsvorbeugung. www.aspirin.at ,

  www.medizin-transparent.at

Kopfschmerzen sind nicht mehr das einzige Einsatzgebiet von Aspirin. WALDHÄUSL

Aspirin gibt es in Form von verschiedenen Produkten, wie etwa Aspirin+C.BAYER