Erstellt am 21. März 2011, 08:18

Kulinarische Kultur. KRAUT & RÜBEN / Eine große Schau im St. Pöltener Landesmuseum widmet sich dem Menschen und seinem Bedürfnis, Pflanzen zu kultivieren und ihre Früchte durch Auslese zu verbessern.

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VON TINA WESSIG

Mehr als 12.000 Jahre ist es her, als der Mensch sein Dasein als Jäger und Sammler aufgab und sesshaft wurde. Das unstete Leben wich der Hinwendung zum Ackerbau – und der Mensch trat damit gleichsam in eine neue Ära ein: Mit dem Kultivieren der Wildpflanzen begann ein intensives Ausleseverfahren. Ziel war, den Ertrag der Speisepflanzen zu optimieren.

Damals wurden – so belegt es die Wissenschaft – in Vorderasien und Anatolien die ersten Getreidearten wie Einkorn, Emmer, Gerste und Roggen angebaut. Die Landwirtschaft war erfunden. Die dafür verwendeten Kulturpflanzen sind solche, die als Nahrungsmittel für Menschen oder als Viehfutter dienten.

Da wurden die gesündesten und ertragreichsten Pflanzen selektiert, der Körnerertrag wurde als Saatgut für das nächste Jahr vorbereitet, Äcker wurden bestellt, Unkraut bekämpft und mit Mist gedüngt.

Forschungsanstalten  ab dem 18. Jahrhundert

Da mit den bekannten Anbaumethoden Hungersnöte jedoch nicht verhindert werden konnten, entstanden ab dem 18. Jahrhundert Forschungs- und Lehranstalten der Pflanzenbauwissenschaften.

Die jährlichen Erträge der Nutzpflanzen wurden seitdem durch Pflanzenbau, Pflanzenschutz und Pflanzenzucht weiter gesichert und erhöht. Seit den 1980er Jahren wird zur Unterstützung der Pflanzenzucht auch die Gentechnik angewandt. Einige Kulturpflanzen wie manche Zitrusfrüchte bilden gar keine Samen mehr aus. Typisch für die meisten Kulturpflanzen ist auch ein Riesenwuchs im Vergleich zur Wildpflanze.

Vergleichsweise jung ist etwa der Pfirsich in unseren Breiten: Vor etwas mehr als tausend Jahren trat er seinen Siegeszug aus dem Mittelmeerraum in unsere Breiten an.

Sein Ursprungsland ist aber China, wo seine Kultur schon 2000 v. Chr. bekannt war. Er gelangte dann über Persien nach Griechenland, die Römer brachten ihn nach Mitteleuropa.

Diese und viele weitere Besonderheiten eröffnet die Schau „Kraut und Rüben“ im Landesmuseum. Sie spürt der Frage nach, wie und wann unsere Kulturpflanzen wurden, wie die ungeheure Sortenvielfalt entstehen konnte, und warum manche Arten verschwunden sind.

Rund hundert Arten werden vorgestellt, das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Präsentation regionaler Besonderheiten: Oder wussten Sie, dass Niederösterreich einst das bedeutendste Safrananbaugebiet Europas war?

 www.landesmuseum.net