Erstellt am 15. Juli 2013, 12:07

Lebenserwartung stieg um fünf Jahre. DER BLICK ZURÜCK

 |  NOEN, Landesklinikum St. Pölten
Vor 20 Jahren. Als 1992/1993 auf der größten Baustelle Österreichs die junge Landeshauptstadt die ersten Konturen annahm, wurde im St. Pöltner Krankenhaus mit dem Aufbau der Kardiologie und der Herzchirurgie begonnen. Zwei junge Primarärzte, Harald Mayer und Hermann Kassal, leisteten bei der Errichtung und dem Ausbau des bedeutendsten Herzzentrums zwischen Wien und Linz Pionierarbeit. Heute gibt es in Niederösterreich fünf weitere Herzstationen in den Landeskliniken Krems, Mistelbach, Mödling, Waidhofen/ Ybbs und Wiener Neustadt. Eine ihrer wichtigen Zielsetzungen ist es, die Sterblichkeitsrate von Herz-und Kreislauferkrankungen mit frühzeitigem Herztod (z. B. Herzinfarkt) zu senken.

Europa wird älter. Aus einem neuen Bericht der WHO geht hervor, dass in Europa (53 Staaten, 900 Millionen Einwohner) die Lebenserwartung von 1980 bis 2010 um fünf Jahre gestiegen ist. Bei Frauen auf 80 Jahre, in Österreich auf 84 Jahre und bei Männern auf 73, in Österreich auf 78 Jahre. Die Kindersterblichkeit gehört in Österreich zu den niedrigsten der Welt. Die Infektionskrankheiten als Todesursache sind drastisch gesunken, ihren Platz bei der Sterblichkeit nehmen die Herz-und Kreislauferkrankungen mit 40 bis 50 Prozent der Todesfälle ein. Dazu der Kardiologe Harald Mayer: „Niemals zuvor wurden die Menschen so alt wie heute. Frühere Generationen haben die Herz-und Kreislauferkrankungen nicht mehr erlebt“.

Zeugen der Vergangenheit. Die derzeit größte archäologische Ausgrabungsstätte auf dem St. Pöltner Domplatz vermittelt uns ein Bild über die Lebenserwartung früherer Generationen. Auf dem ehemaligen Friedhof legten die Archäologen 3.500 Skelette unserer Vorfahren frei, die in den rund 1000 Jahren von 800 bis 1779 begraben wurden. Stadtarchäologe Ronald Risy: „Dabei stellten wir fest, dass 40 Prozent der Toten bereits im Kindesalter verstorben waren. Die Hälfte dieser Kinder verschied vor dem dritten Lebensjahr. Von diesen starb ein Teil bei der Geburt, der andere nach dem Abstillen des Kindes. Die Lebenserwartung der Männer betrug 34 Jahre, jene der Frauen 31 Jahre. Lediglich fünf Prozent der Menschen wurden älter als 60 Jahre.“ Erst mit dem Fortschritt der Medizin seit dem 19. Jahrhundert stieg die Lebenserwartung unserer Vorfahren allmählich an.

Hans Ströbitzer