Erstellt am 08. August 2011, 07:57

Männerdepression. ELFRIEDE KASTENBERGER, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutin in Baden.

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Frauen sind von der Venus, Männer sind vom Mars; nicht nur in Beziehungen, auch bei der Depression zeigt sich das die Symptome können sehr unterschiedlich sein:

FRAUEN neigen zum Rückzug, zu Selbstvorwürfen, zu Schuldgefühlen.

Bei MÄNNERN zeigt sich depressives Verhalten oft in Gereiztheit und Aggressivität, der Betroffene geht viel leichter in die Luft, wirkt kalt und abweisend. Viel häufiger als bei Frauen kommt es zu Unruhe, die sich auch als Über-Aktivität zeigt (zu viel Arbeit, zu viel Sport). Häufig versucht Mann, sich mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln zu entspannen; es können plötzlich riskante Verhaltensweisen, z. B. beim Autofahren, auftreten.

Gefühle von Sinn-, Hoffnungs-, Freudlosigkeit und Ausgebranntsein bestehen; von der Umgebung werden unter anderem Aggression und Zurückweisung wahrgenommen; das führt dazu, dass niemand auf die Idee kommt, dass der Betroffene depressiv und daher behandlungsbedürftig ist! Ein wichtiges Symptom ist die SCHLAFSTÖRUNG, man wacht nachts auf und kann nicht mehr einschlafen, bedrückende Gedanken machen die Nacht zur Qual (seltener: Man könnte dauernd schlafen). Häufig treten Herzbeschwerden, Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen auf. Bei der ärztlichen Untersuchung findet sich meist keine organische Ursache. Auch die Gefährdung durch Selbstmord ist bei Männern deutlich größer als bei Frauen. Depression ist eine sehr schwere Erkrankung. Zu ihrer Heilung benötigt sie psychotherapeutische und medikamentöse Hilfe. Die Psychotherapie hilft (u. a.), die belastenden Faktoren, die in die Depression geführt haben, zu erkennen und damit anders umzugehen. Moderne Antidepressiva sind wirksam, gut verträglich und führen nicht zur Abhängigkeit. Wichtig ist: Depression ist gut behandelbar!

Elfriede Kastenberger ist Mitglied des Landesverbands für Psychotherapie (NÖLP), www.psychotherapie.at/noelp

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