Erstellt am 24. Oktober 2011, 00:00

Magersucht, Bulimie und Übergewicht. SONJA LEITNER, Psychotherapeutin aus Wr. Neustadt, über Essstörungen.

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Wie viele Kalorien habe ich heute zu mir genommen? Wie viele durch Zittern bei Kälte, Ausscheidung, Bewegung verloren? Sollte ich zur Sicherheit Appetitzügler, Abführmittel und harntreibende Mittel nehmen? Diese Themen beschäftigen magersüchtige Menschen rund um die Uhr. Bis zum lebensbedrohlichen Ausmaß. Der Wunsch, immer dünner zu werden, eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körperbildes, absolute Kontrolle über sich und auch die Schädigung des eigenen Ichs, weil man sich nicht leiden kann,
stehen im Vordergrund. Hunger wird
verleugnet und die Gedanken kreisen
nur ums Körpergewicht. Man spricht von Magersucht bei einem BMI unter 17,5.

Bei Bulimie (Ess-Brechsucht) haben die Betroffenen oft Normalgewicht. „Fressanfälle“ mit Tausenden Kalorien wechseln sich mit Erbrechen oder/und Abführmittel-Einnahme ab – was anfänglich als kontrolliertes Essen und Erbrechen beginnt, führt dann zu Hilflosigkeit, Scham, Ekelgefühlen und körperlichen Problemen (durch Verluste der Nährstoffe).

Und auch Adipositas (Fettleibigkeit, BMI = über 30) ist ernst zu nehmen.

Essstörungen sind Sucht, aber auch Zwangsstörungen. Die Gründe liegen nicht beim Essen selbst. Es geht um Selbstwert, Kontrollverlust nach Veränderungen, Unsicherheit, „perfekt“ sein . Die Betroffenen können nicht einfach „aufhören“. Das Problem wäre nicht gelöst.

In einer Therapie können Ursachen aufgearbeitet und das Essverhalten normalisiert werden. Wenn Sie im Umfeld jemanden mit Essstörung haben, sprechen sie es vorsichtig und ohne Schuldzuweisung an. Die Betroffenen sind trotz großer Scham oft erleichtert. Der erste Schritt ist schwer, aber es gibt Hilfe!

BMI (Body Mass Index) = Kilogramm dividiert durch

 Körpergröße in Meter zum Quadrat (kg/m2)

TIPPS FÜRS LEBEN

 Sonja Leitner ist Mitglied des Landesverbands für

 Psychotherapie (NÖLP), www.psychotherapie.at/noelp

leitner.son@aon.at