Erstellt am 20. März 2014, 08:00

von Christine Haiderer

Medikamente vom Arzt. Anders als im Kanton Zürich in der Schweiz, wo alle Ärzte Arzneimittel abgeben dürfen, ist es in Österreich nur wenigen Ärzten erlaubt. NÖ Ärzte wollen jetzt Änderungen.

Im Kanton Zürich können sich Patienten ihre Medikamente von der Apotheke holen, durch die Versandapotheke zuschicken lassen oder beim Arzt - im Bild: Josef Widler in seiner Ordination - mitnehmen.  |  NOEN, Haiderer
Von Christine Haiderer

„Wir sind klar der Meinung, die Abgabe von Medikamenten gehört zum ärztlichen Instrumentarium. Wie das Stethoskop“, so Urs Stoffel, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich. Dort dürfen alle Ärzte Medikamente abgeben. Im ländlichen Raum schon lange, in der Stadt seit einer Volksabstimmung vor eineinhalb Jahren.

„Dispensierrecht für Ärzte“ Anfang März beschlossen

Davor gab es viele Befürchtungen. Etwa, dass Apotheken verschwinden werden. Doch: „Keine einzige Apotheke ist geschlossen worden“, neue haben geöffnet. Ein anderes Gegenargument war, dass die Medikamentenkosten steigen, weil Ärzte daran verdienen und dadurch mehr verkaufen.

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Studien zeigten dazu schon in der Vergangenheit: „In Kantonen mit Dispensierrecht sind die Medikamentenkosten der Versicherten tiefer als in Kantonen ohne Dispensierrecht.“ Warum? „Wenn ich Medikamente abgebe, sehe ich, wie viel sie kosten, beim Rezeptieren nicht“, so Vizepräsident Josef Widler.

Das gilt auch für den Patienten, der die Medikamente zunächst zahlen muss, bevor er es einreichen kann. So wird häufig ein günstigeres bevorzugt. Andere Abgabemöglichkeiten will auch NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner. Sein Modell „Dispensierrecht für Ärzte“ wurde Anfang März von der Bundeskurienversammlung beschlossen.

Apotheker-Meinung? „Systemwechsel, der nichts brächte“

Worum es geht? Jeder Arzt darf – nach Fachgebiet – 20, 30 oder 40 wichtige Medikamente abgeben. Dabei verdient er nicht über die Spanne, sondern erhält einen Tarif. Mitmachen darf jeder Arzt, egal ob mit oder ohne Kassenvertrag. Viele Details sind noch offen.

Was Apotheker dazu sagen? „Das Recht zur Medikamentenabgabe für jeden Arzt wäre ein Systemwechsel, der nichts brächte und zu Lasten der Patienten ginge“, so NÖ Apothekerpräsident Heinz Haberfeld. „Die flächendeckende Versorgung mit Apotheken wäre damit in Österreich gefährdet.“

Zu den Kosten in der Schweiz meint er zudem, dass eine aktuelle Untersuchung der Uni Bern ergeben hat, dass der Medikamentenverkauf durch Ärzte deren Kosten um 30, die Behandlungskosten um 20 Prozent erhöht hat. Wodurch die Krankenversicherungsbeiträge steigen. Außerdem ist das System dort anders, Apotheker dürfen etwa impfen.