Erstellt am 16. September 2013, 16:28

Mehr Fisch aus Österreich. Mit dem Projekt "Aquakultur 2020" von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich soll die heimische Fischproduktion gesteigert werden – von derzeit 34 auf 60 Prozent.

Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich: »Das Gebot der Stunde ist es, auf nachhaltige Binnenfischerei zu setzen.«  |  NOEN, Marschik
„Aquakultur 2020“ – so nennt sich das nationale Maßnahmenpaket, das Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich gemeinsam mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft und den Fischereiverbänden geschnürt hat. Das Ziel: die heimische Fischproduktion steigern. Das Motto: mehr Fisch aus Österreich statt leerer Meere.
Sieben bis acht Kilo Fisch pro Kopf wurden in den letzten Jahren von den Österreichern verbraucht. Die Nachfrage nach Fisch steigt bei den Konsumenten stetig, die heimischen Fischbestände aber sinken.

Selbstversorgungsgrad von nur fünf Prozent

Nur 3.100 Tonnen jährlich werden selbst produziert – in Relation gesetzt mit einer Einfuhrmenge von 61.254 Tonnen entspricht das einem Selbstversorgungsgrad von nur fünf Prozent. Für Berlakovich deutlich zu wenig: „Die Bevölkerung hat Fisch als gesundes Lebensmittel neu entdeckt. Das Gebot der Stunde ist es daher, auf nachhaltige Binnenfischerei zu setzen, um die Fischbestände in den Meeren zu schonen.“
Denn auch diese sind nicht unbegrenzt nutzbar. Die Fangmengen der europäischen Flotten sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die Bestände brauchen Schonung und Maßnahmen zum kontrollierten Wiederaufbau. Das Projekt „Aquakultur 2020“ soll dazu beitragen.
Konkret soll damit die Produktionsmenge von österreichischem Süßwasserfisch erhöht, ja beinahe verdoppelt werden: von derzeit 34 auf 60 Prozent. Das entspricht einer Erhöhung auf 5.500 Tonnen jährlich. Konkrete Maßnahmen, die das Lebensministerium, die Fischereiverbände und das Bundesamt für Wasserwirtschaft ausgearbeitet haben, geben eine Anleitung, um das gesteckte Ziel bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

Die im Programm „Aquakultur 2020 – österreichische Strategie zur Förderung der nationalen Fischproduktion“ enthaltenen Maßnahmen sind vielfältig: Bildung und Beratung, Qualitätsproduktion, effiziente und innovativere Anlagen und eine einheitliche rechtliche Auslegung (für nähere Informationen siehe Infobox rechts) sollen eine neue Dynamik in den Sektor bringen. Der wichtigste Schritt ist dabei die Ausweitung der österreichischen Aquakultur – dem heute global am schnellsten wachsenden Bereich der Lebensmittelproduktion überhaupt. Der Anteil der aus Aquakultur stammenden Speisefische steigt seit Jahren konstant an. In Österreich werden in Aquakulturanlagen vorwiegend Karpfen und Forellen produziert – weitere Arten sind Saibling, Zander und verschiedene Welse. Mithilfe neuer Produktionsstandorte und der Anwendung innovativer Technologien soll die Produktionsmenge dieser Fische deutlich wachsen.

Weniger Frischwasser durch Kreislaufanlagen

So wird etwa in der Forellenerzeugung bis zum Jahr 2020 eine Steigerung um 80 Prozent auf 4.000 Tonnen im Jahr, bei den Karpfen eine Steigerung um ein Drittel auf 1.000 Tonnen im Jahr erwartet.
Zudem sollen verstärkt Kreislaufanlagen eingesetzt werden. Im Vergleich zur klassischen Fischproduktion in Teichanlagen ist dabei nur ein Zehntel der Wassermenge erforderlich. Der niedrige Wasserbedarf wird mit der Reinigung des Frischwassers in einem Biofilter erreicht. Das reine Wasser kann so wieder in das Kreislaufsystem eingebracht werden. Bei teilgeschlossenen Anlagen kann das Wasser bis zu einem Anteil von 70 Prozent wieder verwendet werden. In Vollkreislaufanlagen sogar noch mehr: Weniger als 10 Prozent des Produktionsvolumens werden dabei durch Frischwasser ersetzt. Mit relativ geringem technischen Einsatz wird so die Umweltbelastung reduziert und die Produktionskapazität erhöht – eine Mindestmenge an Frischwasser darf jedoch nicht unterschritten werden, um negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Fische auszuschließen.

„Die Aquakultur ist weltweit ein stark heranwachsender Sektor“, sagt Johann Kölbl, Obmann vom Verband für Fischereiwirtschaft und Aquakultur. „Unser Verband begrüßt die Initiative ‚Aquakultur 2020’ zu 100 Prozent – denn jetzt ist die richtige Zeit, um auch in Österreich die Weichen für die Zukunft neu zu stellen.“

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