Erstellt am 09. Mai 2011, 07:47

Mehr für die Pflege. ZU WENIG PERSONAL / In Zukunft steigt der Pflegebedarf. Das bedarf laut NÖ Hilfswerk auch Änderungen in der Ausbildung.

 |  NOEN
VON CHRISTINE HAIDERER

„Wir haben noch eine Atempause, aber wir kommen in eine Doppelmühle.“ Geht es nach Herbert Nowohradsky, Präsident des NÖ Hilfswerks, muss etwas getan werden – oder die Pflege bricht zusammen.

Mitte des letzten Jahrhunderts gab es geburtenstarke Jahrgänge. Zurzeit arbeiten diese Babyboomer noch, manche im Bereich der Pflege. Bald aber werden sie in Pension gehen und selbst Betreuung benötigen. Von späteren Jahrgängen, die dank der Pille geburtenschwächer sind. „Das bedeutet, dass wir zu wenig Pflegepersonal haben werden“, warnt Nowohradsky.

Bis 2020 wird der Bedarf an Betreuungsstunden in der mobilen Pflege auf vier Millionen angewachsen sein, und man wird in NÖ 2000 Pflegekräfte mehr brauchen. Heute sind 4000 bis 4500 Menschen in der Pflege in NÖ tätig.

Umso wichtiger ist es, in den nächsten Jahren mehr Menschen für die Pflege zu begeistern und die Ausbildung und Aufstiegschancen zu verbessern. Zum Beispiel: „Derzeit gibt es eigene Schulen für Heimhilfen, eigene Schulen für Pflegehelfer und eigene Schulen für diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege“, betont Jana Bockholdt, Pflegedirektorin des NÖ Hilfswerks. Besser wäre statt dessen eine Schule, in der alle diese Berufe ausgebildet werden und in der man mit Matura abschließen kann, um später studieren zu können. Zudem wird auch eine verstärkte Förderung von Auf- und Umschulungen nötig sein. Und auch daran, dass Ausbildungen in diesem Bereich erst ab 17 Jahren starten, muss etwas geändert werden. Weil viele nach der Hauptschule warten müssen und sich in dieser Zeit für andere Berufe entscheiden. Ein Teil der benötigten Pflegekräfte wird auch aus dem Ausland kommen.

Hilfe für Angehörige und Pflegeberatung

Ein weiteres Problem: Etwa 60 Prozent der Pflegegeldbezieher werden von Angehörigen betreut, dieser Anteil wird jedoch weniger. Daher muss auch ihnen mehr geholfen werden, etwa durch Schulung, Beratung, Info …

Und auch Pflegevorsorge und Beratung sind Themen. „In nordischen Ländern wie Schweden oder Dänemark gibt es eine präventive Pflegeberatung“, so Bockholdt. Im Zuge der Beratung wird darüber informiert, was passieren muss, wenn jemand pflegebedürftig wird, man erfährt, wo man Unterstützung findet … So ist die Familie schon vorbereitet, wenn der Pflegefall eintritt, und kann rasch handeln. In Österreich muss man die Zeit der Beratung zurzeit selbst zahlen.

02742 90 600, www.hilfswerk.at