Erstellt am 02. Juli 2012, 00:00

Mit erlebbarer Frische. HEURIGE ERDÄPFEL / Die traditionellen Früherdäpfel gewinnen immer mehr an Beliebtheit. Sie sind ideal zum Verzehr mit Schale und passen wunderbar als Beilage, für Eintöpfe und Aufläufe.

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VON CHRISTIAN BAYR

Die meisten Menschen denken beim Wort Heurigen spontan an ein lauschiges Plätzchen mit selbst produziertem Wein. Gerade jetzt zu Sommerbeginn haben die Heurigen aber noch eine ganz andere Bedeutung. So werden nämlich auch jene immer beliebter werdenden jungen Erdäpfeln genannt, die bis August in ganz Niederösterreich geerntet werden. Sie sind meist etwas kleiner, ihre Schale ist dünner und sie enthalten mehr Wasser als ihre erwachsenen Schwestern Brüder im Herbst.

„Heurige zeichnen sich durch einen leichten und feinen Geschmack mit erlebbarer Frische aus“, so Christof Schramm vom gleichnamigen Kartoffelhof in Großengersdorf im Weinviertel.

„Es handelt sich um spezielle Frühsorten, die eine Mischung aus mehlig und vorwiegend festkochend darstellen. Sie eignen sich besonders gut als Beilagenerdäpfel, aber auch für Eintöpfe, Aufläufe oder als Schmarrn. Für Salate oder Püree sind sie hingegen weniger geeignet.“

Weil ihre Schale noch sehr lose ist, werden sie von Gourmets oft ungeschält gegessen. Dazu putzt man sie und reinigt sie einfach unter Wasser mit einer Bürste von der Erde.

Der Heurige ist innen fast weiß, wobei sich die Farbe mit Fortdauer der Ernte mehr ins Gelbe verwandelt. Das hat etwas mit dem Reifeprozess und der Vegetation zu tun. Die Sorten heißen unter anderem Adora, Agata, Arielle oder Ukama.

Zur Lagerung sind sie nur bedingt geeignet. Schramm empfiehlt einen Verzehr innerhalb von zwei Wochen nach der Ernte: „Am besten lagert man sie an einem kühlen, finsteren Ort, im Idealfall in einem Wein- oder Erdkeller. Manche Kunden stellen sie auch in einer Plastikbox auf den Balkon oder legen sie einfach in ein Tuch gewickelt in den rückwärtigen Teil eines Küchenkastens.“

    Heurige zeichnen sich durch einen geringeren Stärkeanteil und einen höheren Vitamingehalt als die Lagererdäpfel aus. Mit ihrem leicht nussigen Geschmack passen sie gut zu Lamm, Bärlauch und Spargel, am besten einfach nur mit Butter, Salz oder Schnittlauch verfeinert, eventuell auch mit einem Kräuterdip auf Yoghurtbasis.

„Beim Kochen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu lange im Wasser bleiben, gekocht kann man sie im Idealfall mit der Zunge zerdrücken. Wir merken schon, dass die Konsumenten immer öfter zum regionalen Heurigen greifen, bei uns im Betrieb machen sie mittlerweile sicherlich bereits ein Viertel des Umsatzes aus.“