Erstellt am 18. April 2011, 07:51

Morgenspaziergang und Freiräume. MARIA NEUBERGER-SCHMIDT gibt Tipps für einen friedlichen Alltag mit Kindern.

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Wenn du jetzt nicht die Hand gibst, dann hast‘ eine!“ Bei diesen aggressiven Worten, die eine Mutter zu ihrem etwa zweijährigen Kind sprach, tat mir das Herz weh. Zunächst einmal wegen der bedrohlichen Formulierung, die dem Kind Angst macht und das Selbstwertgefühl verletzt. Es war auf einer schönen Allee im Schlosspark Schönbrunn. Schade auch, dass diese Mutter eine Gelegenheit versäumt hat, ihrem Kind freien Auslauf zu gewähren, Freiheit zu atmen, sich zu spüren, die Welt zu erobern, Nähe und Distanz spielerisch auszuloten, mit der Gewissheit, jederzeit zum Schoß der Mutter zurückkehren zu können. So werden erste Schritte in die Selbstständigkeit gegangen, Schritte, die das Selbstbewusstsein und die Intelligenz des Kindes stärken.

Wir können Entwicklung und Lebensfreude unserer Kinder fördern, indem wir ihnen altersgemäß so viele Freiräume wie möglich lassen, besonders in einer urbanen, wenig kindgerechten Welt, die Freiräume sowieso einschränkt. Kinder, die zu wenig davon haben, werden gehemmt, ängstlich, unselbstständig, ungeschickt, inaktiv, quengelig und oft auch aggressiv, weil sie ihren Bewegungsdrang nicht auf gesunde Weise ausleben dürfen.

Kinder haben einen Instinkt dafür, zu spüren, was sie brauchen und wie viel sie sich zutrauen können: Ist es wagemutig, entfernt es sich, sucht es Geborgenheit, kommt es näher. Es genügt, wenn wir unsere Kinder gewähren lassen, in einem Rahmen der Sicherheit, den wir Erwachsene abstecken. Wenn wir klare Grenzen in ruhiger Bestimmtheit aufzeigen, spürt das Kind die Fürsorge und kann sein Kindsein unbeschwert ausleben. Nützen Sie den Frühling dazu, Ihren Kindern so oft wie möglich Gelegenheit zum Laufen, Spielen, Toben, Experimentieren und Spaßmachen zu geben!

mns@elternwerkstatt.at

Mag. Maria Neuberger-Schmidt ist Autorin, Elterntrainerin und Obfrau des Vereins Elternwerkstatt. www.elternwerkstatt.at