Erstellt am 08. November 2010, 00:00

Musik als Medizin. DEPRESSION / In vielen Situationen kann Musik helfen, mit schwierigen Situationen umzugehen, sie zu erleichtern.

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VON CHRISTINE HAIDERER
Man wird an einen anderen Ort entführt, Erinnerungen werden geweckt, die Stimmung verbessert sich, und man hat mehr Energie. „Ich glaube, das sind alles Wirkungen, die ein paar Minuten Musikhören haben können“, verriet Suzanne B. Hanser bei Mozart & Science in Krems, einem Musikwirkungsforschungskongress.

Die Musiktherapeutin vomBerklee College of Music weiß: „Musik hat positive Auswirkungen auf den Körper“. Das gilt sowohl für den, der musiziert (zum Beispiel Hanser mit einer amerikanischen Flöte), als auch für den, der zuhört (zum Beispiel einer ihrer Patienten). „Die Neuronen, die bei mir aktiviert werden, werden auch beim Patienten aktiviert.“

Mit Musik kann man Stress abbauen, das Aufmerksamkeitsniveau verändern, Entspannung erreichen und die Herzratenvariabilität (die Fähigkeit, die Frequenz des Herzrhythmus’ zu verändern) beeinflussen. Und: „Musik ist eine Ablenkung – auch vom Schmerz. Musik macht es möglich, die Lebensqualität zu erhöhen.“ Etwa bei Krebspatienten, die Schmerzen haben und unter der Chemotherapie leiden. Wie bei einer Patientin mit metastasierendem Brustkrebs. „Hier haben wir eine Veränderung in der Entspannung und dem Glücksgefühl gesehen“ – eine Veränderung, die gemeinsam mit der medizinischen Therapie die Krankheit positiv beeinflusste.

Auch bei Depression kann Musik helfen

Positive Effekte hat Musik auch bei Menschen mit Depression. Das zeigte eine Studie. „Wir haben versucht, die Musik zu finden, die den Menschen tröstet, ihn beruhigt“, erzählt Hanser. Das Ergebnis: „Es hat klinisch signifikante Veränderungen gegeben. Die Patienten konnten nach acht Wochen als nicht depressiv bezeichnet werden“ – bei vielen eine langfristige Verbesserung. Bei jenen, die die Technik weiter angewendet haben, gab es auch noch Monate später weitere Verbesserungen.

Welche Musik die Richtige ist, muss der Musiktherapeut am Anfang immer individuell herausfinden, meint Hanser. Ein Musikstil kann einem ganz viel bedeuten und einem anderen gar nichts. Es kommt immer darauf an, wie der Mensch darauf reagiert.www.mozart-science.eu

Musik kann entspannen, aber auch bei gesundheitlichen Problemen Entspannung bringen.SYMBOLFOTO: WALDHÄUSL