Erstellt am 07. November 2011, 00:00

Nervensache. MICHAEL HOFREITER, Psychotherapeut aus Tulln-Langenlebarn, über Folgen der Psyche auf den Körper.

 |  NOEN
Sind es die Nerven, Herr Doktor?, werde ich des Öfteren von meinen PatientInnen gefragt.

Ja! Die Nerven sind immer dabei. Die vegetativen (unwillkürlichen) Nerven sind jene, die für die „Grundeinstellung“ aller Zellen und Organe zuständig sind. Sie umhüllen jede einzelne noch so kleine Zelle mit einem Geflecht. Würde man alle diese Fasern hintereinander anreihen, so ergäbe sich ein Nervenfaden, der wohl von der Erde bis zum Mond reichen könnte – ein gewaltiger Einfluss auf den ganzen Körper! Wenn wir beispielsweise aufgeregt sind, verändern wir die Aktivität aller Zellen, was immer diese auch zu tun haben. So ziehen sich etwa die Muskelzellen zusammen, die die Blutgefäße umgeben. Diese verengen ihren Querschnitt, die fließende Blutmenge wird dadurch geringer. Zum Ausgleich muss das Herz schneller und stärker pumpen – auch das bewirkt das vegetative Nervensystem – der Blutdruck steigt. Entsprechendes spielt sich in jedem Körperorgan ab.

Man kann sich also gut vorstellen, dass nervöse Anspannung auf den ganzen Körper und alle seine Organe eine große Auswirkung hat – ebenso wie Ärger, Trauer, aber auch Freude, Lust, Zufriedenheit, Glück usw. So ist es auch leicht erklärbar, dass es zu anhaltenden Veränderungen der Körperfunktionen kommt, wenn das „Nervenkostüm“ ständig belastet ist – bis hin zu Erkrankungen von Organen, die ja dauernd nervlich über – oder untererregt, fehlgesteuert, anders durchblutet und fehlernährt werden. Viele Erkrankungen sind also auch von der Psyche mitgetragen und können auch von dorther mitbeeinflusst werden. Krankheiten sollten daher immer auch von der seelischen Seite angesehen und gegebenenfalls auch behandelt werden. Ein Gespräch mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten ist hiefür hilfreich und auch zu empfehlen.


Michael Hofreiter ist Mitglied des Landesverbands für Psychotherapie (NÖLP), www.psychotherapie.at/noelp