Erstellt am 30. Januar 2012, 00:00

Ohne Kraft. NEUES BUCH / Nach Rotraud A. Perner ist Burnout eine gesunde Reaktion auf ungesunde Zustände.

Manchmal wird einem alles zu viel. Passiert das zu oft, sollte man die Ursache suchen. „Das Leben darf nicht nur aus Arbeit bestehen“, sagt Rotraud A. Perner. „Es muss auch Dinge geben, die Energie bringen.“  |  NOEN

VON CHRISTINE HAIDERER

„Wir alle kennen Augenblicke, in denen uns alles zu viel wird.“ Neben normaler Müdigkeit nach anstrengender Arbeit gibt es laut Rotraud A. Perner, Psychotherapeutin und Mediatorin, auch das Ausgebranntsein. Ein Zustand, der aber nur bei kreativen Berufen vorkommt (etwa ein Schriftsteller, der „ausgeschrieben“ ist). Und dann gibt es die, die immer mehr werden, die, die laut Perner „verheizt“ werden. Sie müssen immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit erledigen, und das unter belastenden Umständen. „Die meisten fühlen sich kaputt, weil sie schlecht behandelt werden“, meint Perner.

Die Umweltbedingungen  nicht vergessen!

Das Problem: „Einmal im Monat darf es eine Belastung geben. Aber nicht jeden Tag. Das hält man nicht aus.“ Es gibt Grenzen. Und deshalb wird es nicht helfen, wenn ein Chef sagt: „Streng dich an!“ Statt dessen sollte er nachfragen, was los ist, oder der überforderte Arbeitnehmer das Problem ansprechen und ein Gespräch suchen. „Man muss an den Arbeits- und Umweltbedingungen ansetzen.“ Wenn wiederum Energie im Privatleben geraubt wird, kann es sein, dass ein Eheberater der richtige Ansprechpartner ist, bei spiritueller Leere vielleicht ein Pfarrer.

Wo die Grenzen liegen, verrät der Körper. Durch Kopfweh, Energielosigkeit am Morgen … „Es ist wichtig, dass wir unseren Körper gut wahrnehmen können.“ Denn, wenn es einen Energiemangel gibt, gilt es, darauf zu reagieren. „Wir brauchen unsere Erholungspausen.“ Und: „Je mehr man sich angestrengt hat, desto mehr Pause braucht man“, so Perner. Dann ist es wichtig, Dinge zu tun, die gut tun, die Spaß machen: in der Badewanne liegen, Joggen, Bergsteigen oder der Gesangsverein.

Was genau man braucht, kann keiner von außen entscheiden. Das kann man nur selbst herausfinden. Zum Beispiel, in dem man sich die Frage stellt: „Wenn ich einen Zauberstab hätte, mit dem ich mein Leben verändern könnte: Was hätte ich gerne anders?“ Auf diese Art – sofern man realistisch bleibt – werden Störungen im Leben aufgedeckt. Vielleicht gehört man zu jenen, die keinen Lärm wollen, oder zu jenen, die gut behandelt und nicht unnötig kritisiert werden wollen, oder …